Madhukar: „Wer bin ich?“

Madhukar: „Wer bin ich?“

Madhukar, gebürtiger Stuttgarter, moderner Repräsentant des Advaita, der Weisheitslehre vom Wesen der Wirklichkeit, ist ein Schüler des verstorbenen indischen Meisters Papaji (H.W.L. Poonja), dessen Guru der legendäre Weise Sri Ramana Maharshi war. Madhukar versteht sich als Diener der Wahrheit, seinen Namen „Geliebter, süß wie Honig“ gab ihm sein Meister Papaji. Die Botschaft vom Erwachen in Freiheit teilt Madhukar mit Wahrheitssuchenden auf der ganzen Welt in öffentlichen Meetings (Satsang) und Retreats.

Meetings mit Madhukar konzentrieren sich auf das unmittelbare Erwachen. Sie sind eine machtvolle, radikale und liebevolle Übertragung der Wahrheit, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Sie sind eingeladen, Ihre Aufmerksamkeit von Ihrer Person, Ihrer Geschichte, Ihren emotionalen und gedanklichen Strukturen abzuwenden und auf Ihr wahres Sein zu

richten. Wären Sie nur Ihre Gefühle und Gedanken, dann wäre das nicht möglich. Aber Sie sind weder die Emotionen noch die Gedanken, und auch nicht die Sinneswahrnehmungen! All das findet in Ihnen statt, aber seit jeher identifizieren Sie sich damit. Durch diese Ausrichtung offenbart sich Ihr wahres Selbst nicht, ist scheinbar verborgen wie Ihre eigenen Augen, die Sie nur mit Hilfe eines Spiegel sehen können.

Glücklicherweise ist der Meister da, um Ihnen zu sagen: „Sie sind bereits frei, schauen Sie nur genau hin!“

Sie haben sich lange genug mit Ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt, und es hat Sie anscheinend nicht völlig glücklich gemacht. Schenken Sie jetzt Ihre Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit dem Selbst, das alles sieht! Wenn Gedanken kommen, fragen Sie sich: „Wer bin ich?“. Sie sehen die Gedanken erscheinen und wieder davonziehen. Wenn Sie wissen, dass Ihnen die Gedanken keine Erfüllung bringen können, dann bleiben Sie gerne bei sich selbst. Probieren Sie es einmal aus. Für den Beginn verwenden Sie dafür fünf Minuten beim Aufwachen und fünf Minuten beim Schlafengehen. Bleiben Sie ruhig und stellen Sie sich die Frage: „Wer bin ich?“. Es werden Ihnen vielleicht viele Dinge in den Sinn kommen, aber bleiben Sie frei davon, kehren Sie immer wieder zu der Selbstergründung durch die Frage: „Wer bin ich?“ zurück. Fünf Minuten am Abend, fünf Minuten am Morgen! Ihnen bleiben dann noch immer 23 Stunden und 50 Minuten für das Alltägliche und das Besondere.

Was mich erstaunt: Die meisten haben nicht einmal diese zehn Minuten pro Tag für sich Zeit. Ich rate es ihnen und sehe dann später, dass sie es nicht angewandt haben. Dabei meditieren heutzutage selbst Manager! Die wollen mental fit sein, weil ihr Job das von ihnen erfordert. Die überwältigende Menge an Informationen, die auf sie einstürzen, zwingt sie leer zu sein, um aus dem Jetzt heraus die nötigen Entscheidungen zu treffen, denn auf die herkömmlichen Marktgesetze können sie sich nicht mehr verlassen.

Die Selbstergr ü ndung durch die Frage: „Wer bin ich?“ ist die ultimative Medizin. Aber diese kostbare Medizin wird von den Menschen meistens sehr schnell wieder abgesetzt, weil sie dadurch sehen müssen, was Wahrheit verhindert. Selbstergr ü ndung ist sehr radikal, ja sehr konfrontierend! Ein Arzt verschreibt eine Medizin, erläutert den Grund dafür, die Patienten nehmen ein paar Mal die bitteren Tropfen und sagen dann: „Uh, das wollte ich aber dann doch nicht!“ Menschen haben die Neigung, über ihre Person nachzudenken, darüber, wie sie sind, aber darum geht es bei Selbsterkenntnis nicht. Die Person führt nur in die Irre, ist nur Schein, nur Schall und Rauch. Es geht um DAS, hinter diesem „Ich“; es geht um DAS, worin dieses „Ich“ Platz findet, worin Ihr Körper Platz findet; es geht um das immerwährende, ewige DAS, worin alles erscheint. Darauf seine Aufmerksamkeit zu lenken wirkt erschütternd f ü r das alte Selbstbild des Ich. Sollte Angst auftauchen, ist das nicht ungewöhnlich, da Freiheit ungewohnt ist. Der Mensch ist ein „Ge­wohnheitstier“. Angst ist ihm bekannt. Sie können sie sich anschauen, aber lassen Sie sich von ihr nicht beeindrucken. Schauen Sie ruhig hin. Fragen Sie sich jedoch unbedingt weiter, wer Sie sind, der schaut. Die Angst kam, sie wird gehen. Alles, was kommt, wird gehen. Möglicherweise zeigt sich auch Schmerz oder Trauer. Das sind alte Strukturen, die für lange Zeit in der Tiefe gelagert waren und die nach außen kommen müssen. Alle Verlet­zungen, die Sie durchlitten haben, müssen an die Oberfläche kommen. Registrieren Sie sie, das genügt. Sie brauchen ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit zu schenken, ein paar Minuten ist schon genug.

Es kann sein, dass Sie das Gefühl haben, den Schmerz nicht verkraften zu können: Sie werden so tief in den Schmerz hineingezogen, dass Sie sich ganz in ihm verlieren . Das liegt möglicherweise daran, dass Sie Ihre Medizin nicht konsequent angewandt haben. Konzentrieren Sie sich, sobald Ihnen das bewusst wird, wieder auf Ihre Medizin: „Wer fühlt den Schmerz? Wer bin ich? Wer sieht das?“ Geben Sie dem Schmerz etwas Zeit, der Schmerz hat auch ein Recht hier zu sein. Genießen Sie ihn für eine gewisse Zeit, er ist ein intensives Gefühl, und dann schauen Sie wieder genau hin: „Wer? Wer bin ich – hier?“ – mit dem Resultat: „Also Schmerz, es tut mir leid für dich, ich bin DAS!“. Schmerz kann uns manchmal dienlich sein, ohne ihn hätten wir uns schon verloren im Unsinn der Programmierungen, im Unsinn der Welt. Aber jetzt sagen Sie sich: „Ich will frei sein, glücklich sein. Ich will genießen, den Körper, den Geist, das Sein. Freiheit, jetzt! Ich will einfach sein!“

Um sich selbst zu ergründen durch die Frage: „Wer bin ich?“, müssen Sie sich nicht von Ihrem Körper abwenden. Der Körper ist ein Geschenk Gottes, der Ihnen dient. Der Körper lebt in der geistigen Dualität von gut und schlecht, von gesund und krank, von sich gut fühlen und leiden. In der Zeitspanne, die Ihnen vergönnt ist, in Ihrem Körper zu sein, haben Sie die Möglichkeit zu ergründen, wer Sie wirklich sind. Der Körper dient uns und hat seine eigenen Gesetze, die wir respektieren sollten. Bei Hunger essen wir, führen damit dem Körper Energie zu, erhalten seine Lebenskraft, Verdauung findet statt, etc., alles ganz natürlich. Genießen Sie Ihren Körper, hegen und pflegen Sie ihn – und nützen Sie die Zeit herauszufinden, wer Sie wirklich sind. Meditation und alle anderen Formen der Übung sind indirekte Mittel zur Selbsterkenntnis. Wohl hilfreich bei der Beruhigung des Geistes, sind sie aber in Bezug auf Erwachen ein unnötiger Umweg. Ergründen Sie besser direkt, auf dem kürzesten Weg.

Solange wir nach außen schauen, unsere Person, die Ereignisse unseres Lebens, unsere Gemütszustände betrachten, ist es immer nur ein Schein, den wir wahrnehmen, ein blasser Schim­mer von dieser Quelle, die wir wirklich sind. Wenden Sie sich deshalb ab von jeg­lichem Phänomen, sei es auch noch so schön. Völlig unabhängig von allen Erscheinungen wenden Sie sich der Quelle zu. Durch die Frage: „Wer?“ richten Sie sich automatisch darauf aus. Jegliches Konzept fällt dann ganz von selbst weg, genau wie alle Ideen über Ihre Person, Ihre Vergangenheit und Zukunft. Missbrau­chen Sie nicht aufkommendes Mitleid, um wegzulaufen vor sich selbst. Mitgefühl kann sich aus Ihrem guten Herzen heraus entwickeln. Das ist nicht falsch, das ist gut so. Wenn Sie aber ernstlich daran interessiert sind, hinter jeglichem Schein und Zweifel her­auszufinden, was Wirklichkeit ist, wer Sie wirklich sind, dann offenbart sich ein ganz ande­rer, sehr klarer Geschmack, eine Tiefe des Friedens, grenzenloses Bewusstsein.

Radikalität ist gefragt. Es mag die Radikalität des Herzens sein oder die einer ganz einfachen Ehrlichkeit oder die eines sehr scharfen Geistes. Sie ist notwendig, wenn Sie Freiheit ergründen wollen. Selbster­gründung ist sehr radikal. Ich weiß, dass das für viele unerfreulich ist, denn wir Menschen rühren viel lieber in unserer Vergangenheit, in unseren Problemen, Wün­schen, Illusionen und in dem ganzen dualistischen Feld von: „Das mag ich an mir, das mag ich nicht an mir.“ Aber darum geht es nicht. So wie Sie sind, sind Sie gut; gut genug um zu erschauen, wer Sie wirklich sind. Wenn Sie frei sein wollen, ist es Zeitverschwendung, etwas an Ihrer Per­son zu verändern. Ihre Seinsquelle ist unveränder­lich, war immer, wird immer sein, da gibt es nichts zu verbessern.

Jetzt, durch dieses Hinterfragen, zeigt sich Ihr Selbst als glückliches Nichts. Vielleicht stellen Sie sich ein Stück Schweizer Käse vor: Käse mit Löchern. Zuerst sind einzelne Löcher da, dann wird der Käse durch die Selbsterforschung immer löchriger, letztendlich – nichts.

Die Frage: „Wer bin ich?“ sollte nicht wie ein Mantra oder wie ein Gebet mechanisch hergesagt werden. Atma Vichara, wie Selbstergr ü ndung in Sanskrit heißt, sollte nicht benutzt werden, um Gedanken zu überdecken. Das ist nicht sinnvoll. Dann entsteht ein der Trance ähnlicher Zustand, der nur Schein ist. Das wäre nicht Wahrheit. Das Verlangen nach Freiheit, ein brennendes Interesse sollte vorhanden sein. Der Guru klärt alles Weitere.

Wird aus tiefem Interesse ergründet, dann glätten sich die Wogen des Geistes, Stille offenbart sich. Es gilt also nicht, ein neues Konzept von Frieden anzunehmen. Denn das würde Sie nur belasten und wäre zu nichts nütze. Sie hinterfragen immer weiter, wer Sie wirklich sind. Sie sind ehrlich dabei und hören damit auch nicht auf, wenn einmal für kurze Zeit alle Zweifel des Geistes verschwunden sind, denn das ist meist noch nicht Stille. Lassen Sie sich noch tiefer hineinfallen! Wenn man das Sein mit einem See vergleicht, dann ist Selbstergründung der Steg, der in den See führt. Gehen Sie den Steg bis zum äußersten Rand und dann lassen Sie sich in den See hineinplumpsen. Die meisten Leute bringen erst einmal ihre Freunde mit, umarmen sich vierundzwanzig Mal, dann blasen sie einen Schwimm­reifen auf, halten die Rettungsweste bereit, auch den Taucheranzug, denn es könnte ja kalt sein, Tauchermaske, Schnorchel, Sauerstoffflasche, Flossen. Und ein Rettungshubschrauber wird sicherheitshalber gerufen…

Der See der Stille, ja der Ozean ist hier jetzt . „Wer bin ich?“ ist der Steg – dann alles ausziehen, alles loslassen und – hinein!

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