Madhukar: „Wer bin ich?“
Madhukar, gebürtiger Stuttgarter, moderner Repräsentant des Advaita, der Weisheitslehre vom Wesen der Wirklichkeit, ist ein Schüler des verstorbenen indischen Meisters Papaji (H.W.L. Poonja), dessen Guru der legendäre Weise Sri Ramana Maharshi war. Madhukar versteht sich als Diener der Wahrheit, seinen Namen „Geliebter, süß wie Honig“ gab ihm sein Meister Papaji. Die Botschaft vom Erwachen in Freiheit teilt Madhukar mit Wahrheitssuchenden auf der ganzen Welt in öffentlichen Meetings (Satsang) und Retreats.
Meetings mit Madhukar konzentrieren sich auf das unmittelbare Erwachen. Sie sind eine machtvolle, radikale und liebevolle Übertragung der Wahrheit, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt.
Sie sind eingeladen, Ihre Aufmerksamkeit von Ihrer Person, Ihrer Geschichte, Ihren emotionalen und gedanklichen Strukturen abzuwenden und auf Ihr wahres Sein zu
richten. Wären Sie nur Ihre Gefühle und Gedanken, dann wäre das nicht möglich. Aber Sie sind weder die Emotionen noch die Gedanken, und auch nicht die Sinneswahrnehmungen! All das findet in Ihnen statt, aber seit jeher identifizieren Sie sich damit. Durch diese Ausrichtung offenbart sich Ihr wahres Selbst nicht, ist scheinbar verborgen wie Ihre eigenen Augen, die Sie nur mit Hilfe eines Spiegel sehen können.
Glücklicherweise ist der Meister da, um Ihnen zu sagen: „Sie sind bereits frei, schauen Sie nur genau hin!“
Sie haben sich lange genug mit Ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt, und es hat Sie anscheinend nicht völlig glücklich gemacht. Schenken Sie jetzt Ihre Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit dem Selbst, das alles sieht! Wenn Gedanken kommen, fragen Sie sich: „Wer bin ich?“. Sie sehen die Gedanken erscheinen und wieder davonziehen. Wenn Sie wissen, dass Ihnen die Gedanken keine Erfüllung bringen können, dann bleiben Sie gerne bei sich selbst. Probieren Sie es einmal aus. Für den Beginn verwenden Sie dafür fünf Minuten beim Aufwachen und fünf Minuten beim Schlafengehen. Bleiben Sie ruhig und stellen Sie sich die Frage: „Wer bin ich?“. Es werden Ihnen vielleicht viele Dinge in den Sinn kommen, aber bleiben Sie frei davon, kehren Sie immer wieder zu der Selbstergründung durch die Frage: „Wer bin ich?“ zurück. Fünf Minuten am Abend, fünf Minuten am Morgen! Ihnen bleiben dann noch immer 23 Stunden und 50 Minuten für das Alltägliche und das Besondere.
Was mich erstaunt: Die meisten haben nicht einmal diese zehn Minuten pro Tag für sich Zeit. Ich rate es ihnen und sehe dann später, dass sie es nicht angewandt haben. Dabei meditieren heutzutage selbst Manager! Die wollen mental fit sein, weil ihr Job das von ihnen erfordert. Die überwältigende Menge an Informationen, die auf sie einstürzen, zwingt sie leer zu sein, um aus dem Jetzt heraus die nötigen Entscheidungen zu treffen, denn auf die herkömmlichen Marktgesetze können sie sich nicht mehr verlassen.
Die Selbstergr ü ndung durch die Frage: „Wer bin ich?“ ist die ultimative Medizin. Aber diese kostbare Medizin wird von den Menschen meistens sehr schnell wieder abgesetzt, weil sie dadurch sehen müssen, was Wahrheit verhindert. Selbstergr ü ndung ist sehr radikal, ja sehr konfrontierend! Ein Arzt verschreibt eine Medizin, erläutert den Grund dafür, die Patienten nehmen ein paar Mal die bitteren Tropfen und sagen dann: „Uh, das wollte ich aber dann doch nicht!“ Menschen haben die Neigung, über ihre Person nachzudenken, darüber, wie sie sind, aber darum geht es bei Selbsterkenntnis nicht. Die Person führt nur in die Irre, ist nur Schein, nur Schall und Rauch. Es geht um DAS, hinter diesem „Ich“; es geht um DAS, worin dieses „Ich“ Platz findet, worin Ihr Körper Platz findet; es geht um das immerwährende, ewige DAS, worin alles erscheint. Darauf seine Aufmerksamkeit zu lenken wirkt erschütternd f ü r das alte Selbstbild des Ich. Sollte Angst auftauchen, ist das nicht ungewöhnlich, da Freiheit ungewohnt ist. Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“. Angst ist ihm bekannt. Sie können sie sich anschauen, aber lassen Sie sich von ihr nicht beeindrucken. Schauen Sie ruhig hin. Fragen Sie sich jedoch unbedingt weiter, wer Sie sind, der schaut. Die Angst kam, sie wird gehen. Alles, was kommt, wird gehen. Möglicherweise zeigt sich auch Schmerz oder Trauer. Das sind alte Strukturen, die für lange Zeit in der Tiefe gelagert waren und die nach außen kommen müssen. Alle Verletzungen, die Sie durchlitten haben, müssen an die Oberfläche kommen. Registrieren Sie sie, das genügt. Sie brauchen ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit zu schenken, ein paar Minuten ist schon genug.
Es kann sein, dass Sie das Gefühl haben, den Schmerz nicht verkraften zu können: Sie werden so tief in den Schmerz hineingezogen, dass Sie sich ganz in ihm verlieren . Das liegt möglicherweise daran, dass Sie Ihre Medizin nicht konsequent angewandt haben. Konzentrieren Sie sich, sobald Ihnen das bewusst wird, wieder auf Ihre Medizin: „Wer fühlt den Schmerz? Wer bin ich? Wer sieht das?“ Geben Sie dem Schmerz etwas Zeit, der Schmerz hat auch ein Recht hier zu sein. Genießen Sie ihn für eine gewisse Zeit, er ist ein intensives Gefühl, und dann schauen Sie wieder genau hin: „Wer? Wer bin ich – hier?“ – mit dem Resultat: „Also Schmerz, es tut mir leid für dich, ich bin DAS!“. Schmerz kann uns manchmal dienlich sein, ohne ihn hätten wir uns schon verloren im Unsinn der Programmierungen, im Unsinn der Welt. Aber jetzt sagen Sie sich: „Ich will frei sein, glücklich sein. Ich will genießen, den Körper, den Geist, das Sein. Freiheit, jetzt! Ich will einfach sein!“
Um sich selbst zu ergründen durch die Frage: „Wer bin ich?“, müssen Sie sich nicht von Ihrem Körper abwenden. Der Körper ist ein Geschenk Gottes, der Ihnen dient. Der Körper lebt in der geistigen Dualität von gut und schlecht, von gesund und krank, von sich gut fühlen und leiden. In der Zeitspanne, die Ihnen vergönnt ist, in Ihrem Körper zu sein, haben Sie die Möglichkeit zu ergründen, wer Sie wirklich sind. Der Körper dient uns und hat seine eigenen Gesetze, die wir respektieren sollten. Bei Hunger essen wir, führen damit dem Körper Energie zu, erhalten seine Lebenskraft, Verdauung findet statt, etc., alles ganz natürlich. Genießen Sie Ihren Körper, hegen und pflegen Sie ihn – und nützen Sie die Zeit herauszufinden, wer Sie wirklich sind. Meditation und alle anderen Formen der Übung sind indirekte Mittel zur Selbsterkenntnis. Wohl hilfreich bei der Beruhigung des Geistes, sind sie aber in Bezug auf Erwachen ein unnötiger Umweg. Ergründen Sie besser direkt, auf dem kürzesten Weg.
Solange wir nach außen schauen, unsere Person, die Ereignisse unseres Lebens, unsere Gemütszustände betrachten, ist es immer nur ein Schein, den wir wahrnehmen, ein blasser Schimmer von dieser Quelle, die wir wirklich sind. Wenden Sie sich deshalb ab von jeglichem Phänomen, sei es auch noch so schön. Völlig unabhängig von allen Erscheinungen wenden Sie sich der Quelle zu. Durch die Frage: „Wer?“ richten Sie sich automatisch darauf aus. Jegliches Konzept fällt dann ganz von selbst weg, genau wie alle Ideen über Ihre Person, Ihre Vergangenheit und Zukunft. Missbrauchen Sie nicht aufkommendes Mitleid, um wegzulaufen vor sich selbst. Mitgefühl kann sich aus Ihrem guten Herzen heraus entwickeln. Das ist nicht falsch, das ist gut so. Wenn Sie aber ernstlich daran interessiert sind, hinter jeglichem Schein und Zweifel herauszufinden, was Wirklichkeit ist, wer Sie wirklich sind, dann offenbart sich ein ganz anderer, sehr klarer Geschmack, eine Tiefe des Friedens, grenzenloses Bewusstsein.
Radikalität ist gefragt. Es mag die Radikalität des Herzens sein oder die einer ganz einfachen Ehrlichkeit oder die eines sehr scharfen Geistes. Sie ist notwendig, wenn Sie Freiheit ergründen wollen. Selbstergründung ist sehr radikal. Ich weiß, dass das für viele unerfreulich ist, denn wir Menschen rühren viel lieber in unserer Vergangenheit, in unseren Problemen, Wünschen, Illusionen und in dem ganzen dualistischen Feld von: „Das mag ich an mir, das mag ich nicht an mir.“ Aber darum geht es nicht. So wie Sie sind, sind Sie gut; gut genug um zu erschauen, wer Sie wirklich sind. Wenn Sie frei sein wollen, ist es Zeitverschwendung, etwas an Ihrer Person zu verändern. Ihre Seinsquelle ist unveränderlich, war immer, wird immer sein, da gibt es nichts zu verbessern.
Jetzt, durch dieses Hinterfragen, zeigt sich Ihr Selbst als glückliches Nichts. Vielleicht stellen Sie sich ein Stück Schweizer Käse vor: Käse mit Löchern. Zuerst sind einzelne Löcher da, dann wird der Käse durch die Selbsterforschung immer löchriger, letztendlich – nichts.
Die Frage: „Wer bin ich?“ sollte nicht wie ein Mantra oder wie ein Gebet mechanisch hergesagt werden. Atma Vichara, wie Selbstergr ü ndung in Sanskrit heißt, sollte nicht benutzt werden, um Gedanken zu überdecken. Das ist nicht sinnvoll. Dann entsteht ein der Trance ähnlicher Zustand, der nur Schein ist. Das wäre nicht Wahrheit. Das Verlangen nach Freiheit, ein brennendes Interesse sollte vorhanden sein. Der Guru klärt alles Weitere.
Wird aus tiefem Interesse ergründet, dann glätten sich die Wogen des Geistes, Stille offenbart sich. Es gilt also nicht, ein neues Konzept von Frieden anzunehmen. Denn das würde Sie nur belasten und wäre zu nichts nütze. Sie hinterfragen immer weiter, wer Sie wirklich sind. Sie sind ehrlich dabei und hören damit auch nicht auf, wenn einmal für kurze Zeit alle Zweifel des Geistes verschwunden sind, denn das ist meist noch nicht Stille. Lassen Sie sich noch tiefer hineinfallen! Wenn man das Sein mit einem See vergleicht, dann ist Selbstergründung der Steg, der in den See führt. Gehen Sie den Steg bis zum äußersten Rand und dann lassen Sie sich in den See hineinplumpsen. Die meisten Leute bringen erst einmal ihre Freunde mit, umarmen sich vierundzwanzig Mal, dann blasen sie einen Schwimmreifen auf, halten die Rettungsweste bereit, auch den Taucheranzug, denn es könnte ja kalt sein, Tauchermaske, Schnorchel, Sauerstoffflasche, Flossen. Und ein Rettungshubschrauber wird sicherheitshalber gerufen…
Der See der Stille, ja der Ozean ist hier jetzt . „Wer bin ich?“ ist der Steg – dann alles ausziehen, alles loslassen und – hinein!
Erster Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch Fanatismus und Intoleranz entsteht, will ich üben, keine Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien, einschließlich der buddhistischen, zu vergöttern und diesen nicht anzuhaften. Buddhistische Lehren sind Hilfsmittel, um durch tiefes Schauen Verstehen und Mitgefühl zu entwickeln, und keine Dogmen, für die gekämpft, getötet und gestorben werden sollte.
Zweiter Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch falsche Ansichten und falsche Wahrnehmungen entsteht, will ich üben, nicht engstirnig und an meine gegenwärtigen Ansichten gebunden zu sein und Nicht-Anhaften an Meinungen zu praktizieren, um für die Erkenntnisse und Erfahrungen anderer offen zu sein. Ich bin mir bewußt, daß mein derzeitiges Wissen keine unveränderliche, absolute Wahrheit ist. Wirkliche Einsicht entsteht durch achtsames tiefes Schauen und tiefes Zuhören, durch das Erlöschen aller Ansichten und Konzepte und nicht durch die Anhäufung begrifflichen Wissens. Deshalb will ich üben, mich nicht in meinen Ansichten und Konzepten zu verfangen, sondern mein ganzes Leben lernbereit zu sein und die Wirklichkeit in mir und um mich herum in jedem Augenblick achtsam wahrzunehmen.
Dritter Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch das Aufzwingen von Meinungen entsteht, will ich üben, niemanden, auch Kinder nicht, durch irgendwelchen Druck dazu zu bringen, meine Meinung zu übernehmen; weder durch Autorität, Drohung, Geld, Propaganda noch Indoktrination. Ich will das Recht anderer achten, verschieden zu sein und selbst zu entscheiden, was sie glauben und zu welchen Schlußfolgerungen sie gelangen wollen. Ich will jedoch versuchen, anderen einfühlsam zu helfen, auf Fanatismus und Engstirnigkeit zu verzichten.
Vierter Übungsweg
Aus Einsicht, daß das Leiden seinem Wesen nach uns helfen kann, unser Mitgefühl zu nähren und uns den Weg zur Beendigung des Leidens zu weisen, will ich üben, den Kontakt mit dem Leiden nicht zu vermeiden und meine Augen vor dem Leiden nicht zu verschließen. Ich will die Bewußtheit für die Existenz des Leidens im Leben der Welt nicht verlieren, sondern den Kontakt mit denen, die leiden, suchen, um ihre Lage besser zu verstehen und zu ändern. Durch persönlichen Kontakt, Besuche, Bilder, Töne oder auf anderem Wege will ich mich und andere wach machen für die Wirklichkeit des Leidens in der Welt. Ziel unseres Übens ist die Verwandlung von Leiden in Freude und Frieden; ich weiß, daß dieses Ziel, die Edle Wahrheit über den Weg zur Befreiung vom Leiden, nur durch ein tiefes Verständnis der Natur des Leidens erkannt und verwirklicht werden kann.
Fünfter Übungsweg
Aus Einsicht, daß wahres Glück nur aus Frieden, Stabilität, Freiheit und Mitgefühl und nicht aus Reichtum und Ansehen erwächst, will ich mich darin üben, weder Ruhm, Gewinn, Wohlstand noch sinnliches Vergnügen zum Ziel meines Lebens zu machen und keinen Reichtum anzuhäufen, während Millionen hungern und sterben. Ich will einfach leben und meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teilen, die ihrer bedürfen. Ich mache es mir zur Übung, achtsam zu essen, zu trinken und zu konsumieren und auf Alkohol, Drogen und alle sonstigen Dinge zu verzichten, die mir körperlich oder geistig schaden können.
Sechster Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch Haß und Ärger entsteht, will ich üben, mich um die Energie des aufsteigenden Ärgers gut zu kümmern und die Samen des Ärgers in den tiefen Schichten meines Bewußtseins zu erkennen und zu verwandeln. Ich will nichts tun oder sagen, wenn Ärger mich zu überwältigen droht, sondern achtsam atmen oder gehen, um die Gegenwart meines Ärgers anerkennen, ihn mit Achtsamkeit umarmen und tief in sein Wesen schauen zu können. Auch will ich lernen, mit den Augen des Mitgefühls tief in das Wesen des Menschen zu schauen, den ich für die Ursache meines Ärgers halte.
Siebter Übungsweg
Aus Einsicht, daß ein glückliches Leben nur im gegenwärtigen Augenblick möglich ist, will ich üben, jeden Augenblick meines Lebens tief zu leben, mich nicht im Bedauern über die Vergangenheit oder in Sorgen über die Zukunft zu verlieren und mich nicht in den Gefühlen wie Gier, Ärger oder Neid zu verfangen, die die Gegenwart in mir auslöst. Ich will die Kunst des achtsamen Lebens lernen und in Kontakt mit dem Wunderbaren, Erfrischenden und Heilenden in mir und um mich herum sein, um die Samen der Freude, des Friedens, der Liebe und des Verstehens zu stärken und die Arbeit der Verwandlung und Heilung in den Tiefen meines Bewußtseins zu unterstützen.
Achter Übungsweg
Aus Einsicht, daß mangelnde Kommunikation Trennung und Leiden hervorbringt, will ich mitfühlendes Zuhören und liebevolles Sprechen üben. Ich will tief zuhören, ohne zu urteilen oder zu kritisieren, und keine Anstrengung scheuen, um die Kommunikation wieder in Gang zu bringen, zu versöhnen und Konflikte zu lösen, so klein sie auch sein mögen.
Neunter Übungsweg
Aus Einsicht, daß Worte sowohl Glück als auch Leid hervorrufen können, will ich wahrhaftig und aufbauend reden lernen und Worte gebrauchen, die Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung fördern. Ich mache es mir zur Übung, weder aus Eigeninteresse noch um andere zu beeindrucken die Unwahrheit zu sagen, keine Neuigkeiten zu verbreiten, deren ich mir nicht sicher bin, nichts zu kritisieren oder zu verurteilen, worüber ich nichts Genaues weiß, und keine Worte zu gebrauchen, die Spaltung, Haß oder Zwietracht auslösen können. Ich will mein Bestes tun, Ungerechtigkeiten anzusprechen, selbst wenn dies meine Sicherheit und Bequemlichkeit gefährden könnte.
Zehnter Übungsweg
Aus Einsicht, daß die Übung des Verstehens und Mitfühlens Essenz und Ziel einer Sangha ist, will ich üben, die Gemeinschaft nicht für persönlichen Nutzen oder Gewinn zu gebrauchen noch sie in ein politisches Instrument zu verwandeln. Eine spirituelle Gemeinschaft sollte jedoch einen klaren Standpunkt gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit einnehmen und danach streben, die Situation zu verändern, ohne sich in parteilichen Konflikten zu verlieren.
Elfter Übungsweg
Aus Einsicht in die Gewalt und Zerstörung in meiner Umwelt und Gesellschaft will ich üben, mein Leben achtsam und verantwortungsbewußt zu gestalten und keinem Beruf nachzugehen, der den Menschen oder der Natur schadet. Ich will mein Geld nicht in Unternehmen investieren, die anderen ihre Lebensmöglichkeiten rauben, und lernen, in meinem Beruf die Ideale des Mitfühlens und Verstehens zu verwirklichen.
Zwölfter Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, will ich Gewaltfreiheit, Verstehen und Mitgefühl entwickeln und Wege erlernen, das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien zu schützen und Krieg und Konflikten vorzubeugen. Ich will üben, nicht zu töten, das Töten durch andere zu verhindern und über keine Form des Tötens hinwegzusehen, sei es in der Welt, in meinen Gedanken oder in meinem Lebensstil.
Dreizehnter Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, will ich liebende Güte entwickeln und Wege erlernen, die zum Wohlergehen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien beitragen. Ich will üben, großzügig zu sein und meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen zu teilen, die sie wirklich brauchen, sowie nicht zu stehlen und mir nichts anzueignen, das anderen zusteht. Ich will das Eigentum anderer achten, aber auch andere davon abhalten, sich an menschlichem Leiden oder am Leiden anderer Lebensformen zu bereichern.
Vierzehnter Übungsweg
Aus Einsicht in das Leid, das durch unachtsamen Umgang mit Sexualität entsteht, will ich mich darin üben, Sexualität mit wirklicher Liebe und langfristiger Verpflichtung zu verbinden. Um mein eigenes Glück und das der anderen zu bewahren, will ich die von mir und anderen eingegangenen Bindungen achten. Ich will alles mir Mögliche tun, um Kinder vor sexuellem Mißbrauch zu schützen und um zu verhindern, daß Paare und Familien an sexuellem Fehlverhalten zerbrechen. Ich will mir voll der Verantwortung bewußt sein, die es bedeutet, neues Leben in die Welt zu bringen, und über die Welt meditieren, in die ich ein neues Wesen bringe.
Leben in des Buddhas Krankenhaus
(Life in the Buddha’s Hospital)
von
Thanissaro Bhikkhu
Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Lothar Schenk
Quelle: Access to Insight Website
Aus dem Buch “Meditations”
Copyright © 2003 Thanissaro Bhikkhu
Access to Insight Ausgabe © 2003
Nur zur unentgeltlichen Verteilung.
Dieses Werk darf neu veröffentlicht, umformatiert, nachgedruckt und auf beliebigen Medien weiterverteilt werden. Nach dem Willen des Verfassers soll jedoch jede solche Neuveröffentlichung und Weiterverteilung der Öffentlichkeit auf unentgeltlicher und uneingeschränkter Grundlage zur Verfügung gestellt werden; Übersetzungen und andere Bearbeitungen dieses Werks sollen deutlich als solche kenntlich gemacht werden.
Der Dhamma, die Buddhalehre, ist wie eine Arznei. Das lässt sich daran erkennen, wie der Buddha lehrt. Er fängt mit den vier edlen Wahrheiten an, die sehr viel Ähnlichkeit mit dem Vorgehen bei der Behandlung einer Krankheit haben. In seinem Fall bietet er eine Kur für die grundlegende Krankheit des Geistes an: das Leiden, das aus Begierde und Unwissen entsteht. Das gilt es zu heilen. Also untersucht er genau, welche Symptome die Krankheit aufweist, diagnostiziert sie, erklärt, wodurch sie verursacht wird, erläutert, wie es ist, von der Krankheit befreit zu sein, und zeigt dann ein Behandlungsverfahren, das zum Ende der Erkrankung, zur Gesundung führt.
Es ist wichtig, dass wir uns das bei unserer gemeinsamen Übung hier vergegenwärtigen: wir arbeiten an den Krankheiten des Geistes. Jeder von uns hat solche Krankheiten. Und obwohl die Grundursachen des Krankseins die gleichen sind — Begierde, Unwissen — unterscheiden sich unsere Begierden. Unsere jeweiligen Sorten von Unwissen unterscheiden sich ebenfalls. Deswegen müssen wir einander Zugeständnisse machen, weil unterschiedliche Menschen sich unterschiedlicher Behandlungsverfahren unterziehen müssen.
Es ist wie im Krankenhaus. Nicht jeder im Krankenhaus hat dieselbe Krankheit. Manche haben Krebs, manche haben es am Herzen, manche an der Leber. Manche sind krank, weil sie zuviel essen, andere weil sie zuwenig essen. Im Krankenhaus gibt es alle möglichen unterschiedlichen Krankheiten. Und hier im Kloster ist es genauso. Jeder von uns hat seine besondere Krankheit. Und unsere Aufgabe hier ist es, sich um unsere eigenen Gebrechen zu kümmern, ohne uns die Krankheiten der anderen einzufangen — und uns gleichzeitig nicht darüber aufzuregen, dass jemand anderes eine andere Arznei nimmt als wir selber. Jeder von uns hat seine oder ihre eigene Krankheit, die einer bestimmten Sorte von Arznei bedarf. Manche Arzneimittel schmecken bitter und sind unangenehm einzunehmen; andere Arzneimittel sind viel leichter zu schlucken. Also hat jeder von uns seinen oder ihren eigenen Behandlungsplan. Es ist wichtig, dass wir unserer eigenen Behandlung Aufmerksamkeit schenken und uns nicht den Kopf über die Behandlung anderer zerbrechen.
Wenn es so aussieht, als ob manche Leute sich von ihren Krankheiten nicht so schnell erholen, wie wir es gerne hätten, nun, noch einmal, es ist ihre Krankheit. Versucht, das nicht zu vergessen. Denkt daran, was Ajahn Lee sagte: “Wenn du nach innen schaust, ist es Dhamma. Wenn du nach außen schaust, ist es die Welt.” Und es ist nicht etwa so, dass man ein unabhängiger Beobachter wäre, der die Welt betrachtet. Der ganze Geist wird zur Welt, wenn man beginnt, sich nach außen zu orientieren. “Der eine hier tut dieses, der andere da tut jenes”: das ist die Welt, selbst wenn man aus der Buddhalehre stammende Kategorisierungen hernimmt, um die betreffende Person zu beurteilen. Man hat den Dhamma genommen und ihn in die Welt verwandelt. Es geht also darum, den Blick nach innen gerichtet zu halten.
Anders gesagt, wenn ihr euch über jemanden ärgert, wie fühlt sich dieses Sich-Ärgern an? Konzentriert euch darauf. Worauf es ankommt, ist das, was sich im Geist abspielt. Das sind die Dinge, welche die eigene Krankheit verursachen. Möchtet ihr eure eigene Krankheit heilen oder sie verschlimmern? Behaltet diese Frage beim Üben im Blick.
Indem wir hier zusammen leben und zusammen üben, begegnen wir uns sehr häufig, aber bemüht euch darum, dass diese Tatsache sich so wenig wie möglich auf eure Geistesverfassung auswirkt. Versucht, euren Blick nach innen zu wenden. Selbst wenn ihr nach außen schaut, sollte euer Augenmerk nach innen gerichtet sein: “Wie reagiert dein Geist hier? Wie reagiert dein Geist da?” Das gehört zur Sinnenzügelung. Vor einigen Jahren hatten wir eine ältere Besucherin aus Thailand, die es mit der Übung der Sinnenzügelung sehr ernst nahm. Sie hielt stets die Augen niedergeschlagen und sprach kaum jemals mit irgend jemandem. Und dann bekam sie mit, wie andere Leute darüber sprachen, wie hochnäsig und unfreundlich sie doch sei, weil sie sich so sehr darum bemühte, still und teilnahmslos zu sein. Also kam sie zu mir, um sich darüber zu beschweren, dass die Anderen keinen Respekt vor ihrer Sinnenzügelung hätten. Ja, was soll denn das für eine Sinnenzügelung sein, wenn man sich darüber aufregt, was andere Leute über einen sagen?
Sinnenzügelung ist einzig und allein eine Sache der inneren Einstellung. Indem man durchs Leben geht, kann man nicht umhin, Dinge zu hören, Dinge zu sehen, Dinge zu schmecken, Dinge zu berühren, an Dinge zu denken. Bei der Sinnenzügelung geht es darum, diese Dinge nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Der Vorgang, wie der Geist auf das Sehen reagiert, wie er das Sehen dirigiert, und so weiter mit den anderen Sinnen: das sollte im Mittelpunkt stehen. Wenn Schwierigkeiten auftauchen und das Kranksein des Geistes verschlimmern, wie geht man damit um? Der Buddha stellte uns eine ganze Menge Arzneimittel zur Wahl. Das Rezitieren der 32 Teile des Körpers: das ist im Grunde eine Erinnerung an die Arzneimittel, mit deren Hilfe man mit dem Anhangen am eigenen Körper und mit dem Verlangen nach den Körpern anderer umgehen kann. Das Rezitieren der vier erhabenen Geisteshaltungen: das eignet sich nicht nur für den Umgang mit Ärger, sondern auch mit Gehässigkeit, mit Eifersucht, mit jeglicher Art von Schadenwollen im Geist. Oft regt man sich über Dinge auf, die vollkommen außerhalb der eigenen Einflussnahme liegen: dann sollte man über das Kammaprinzip reflektieren, um Gleichmut zu entwickeln.
Für alle diese Krankheiten gibt es Gegengifte, und unsere Aufgabe hier ist es, sie zu benutzen. Wer ist es denn letzten Endes, der wegen unserer Krankheiten leiden muss? Bis zu einem gewissen Grad mögen auch Andere darunter leiden, aber wir sind diejenigen, die wirklich darunter leiden. An dem, was Andere tun, leiden wir nicht so sehr, aber am Fehlen der Fähigkeit zum geschickten Umgang mit dem Erlebten im eigenen Geist, darunter haben wir sehr stark zu leiden.
Im Kanon warnt der Buddha davor, in Gier und Dünkel zu verfallen, und wenn wir uns andere Leute anschauen, dann hat er offensichtlich Recht. Ihre Gier und ihr Dünkel verursachen offensichtlich Schwierigkeiten. Das Entscheidende ist nun aber, unsere eigene Gier, unseren eigenen Dünkel zu sehen. Wenn ihr bemerken solltet, dass ihr diese Lehren dazu verwendet, um Urteile über andere zu fällen, dann hört damit auf und fragt euch: “Jetzt mal langsam. Bin ich eigentlich das staatliche Normenbüro?”
Dann dreht euch um und schaut euch selber an. Was ist mit eurer eigenen Gier? Ihr wollt, dass die Dinge so oder so sein sollen, und dann sind sie auf einmal nicht so, wie ihr es gerne hättet. Das ist eine sehr wichtige Lektion, die ich bei Ajahn Fuang gelernt habe. Es schien, als würde er immer dann krank werden, wenn es mir am wenigsten in den Kram passte. Ich hatte dieses oder jenes Projekt im Kloster am Laufen, und es schien immer so, als würde er genau dann, wenn ich gerade richtig ins Projekt einzusteigen gedachte, krank werden, und ich musste dann alles stehen und liegen lassen, um ihn zu pflegen. Nach und nach fiel mir auf, wie sich meine Enttäuschung von Mal zu Mal steigerte, und schließlich wurde mir klar: “He, warte mal. Wenn ich das Verlangen, dieses Projekt zu Ende zu bringen, aufgebe, dann geht alles viel leichter.” Gab ich dann auch noch mein Verlangen auf, dass er sich um seine Krankheit so zu kümmern habe, wie ich es für richtig hielt, lief es auch im Kloster viel leichter. Besonders für mich, aber auch — und wahrscheinlich in nicht geringem Maße — für ihn.
Solltet ihr euch mit dieser Sorte von Realität konfrontiert sehen, dann macht euch klar: es sind eure Begierden, die euch leiden lassen, also sind sie es, die ihr loslassen müsst. Lässt man los, stellt man fest, dass man mit allen möglichen Situationen zurechtkommt. Nicht, dass man etwa faul oder teilnahmslos würde und einfach alles so laufen ließe, wie es will. Man wird wählerisch: Wo kann man einen Unterschied ausmachen? Wo kann man keinen Unterschied ausmachen? Wo hilft einem das eigene Begehren beim Fortschreiten auf dem Weg? Wo kommt es einem in die Quere? Man muss lernen, wählerisch zu sein, Geschick darin entwickeln, worauf man seine Wünsche richtet, worauf man sein Bestreben richtet. Wiederum liegt das Problem nicht an den äußeren Umständen. Es liegt da drinnen. Wir leiden bis zu einem gewissen Grad an den äußeren Umständen, aber der Grund, warum wir leiden, liegt darin, dass es da drinnen nicht stimmt. Daran müssen wir arbeiten. Sobald das Problem im Inneren bereinigt ist, berühren uns die äußeren Umstände überhaupt nicht mehr.
Dünkel ist noch so ein Unruhestifter. Dünkel ist es nicht nur, sich aufzuplustern und zu glauben, man sei besser als andere. Nach dem Buddha ist es die geistige Neigung, sich mit anderen zu vergleichen. Selbst wenn man sagt “Ich bin schlechter als der Andere” oder “Ich bin genau so viel wert wie der Andere”, dann ist das Dünkel. Es steckt ein “Ich” darin: das “‘Ich’-Erzeugen, ‘mein’-Erzeugen und die Neigung zu Dünkel.” Ein großer Teil des Problems liegt genau da, eine Hauptursache der Krankheit.
Der Buddha beschreibt das “Ich bin”-Vermeinen als verborgene Ursache für den Hang des Geistes zum Ausspinnen von Ideen, für seinen Hang, Unterscheidungen zu machen, Dinge zu komplizieren, und für all die Kategorien und Konflikte, die von diesen Komplikationen herrühren: all das beginnt mit dem “Ich bin”. Auch die grundlegende Verbalisierung des Begehrens beginnt mit “Ich bin”. Darauf folgt dann “Ich war”, “Ich werde sein” oder “Bin ich? Bin ich nicht?” und all die anderen Fragen, die davon herrühren, dass man das “Ich” und das “bin” zusammenbringt und sich dann damit identifiziert. Man fängt an, dieses “Ich bin” mit dem von anderen Leuten, mit dem, wofür man sie hält, zu vergleichen. Also ist man entweder besser als sie, man ist gleich, oder man ist schlechter. Aber egal, auf welcher Seite man dabei landet, es ist, wo man geht und steht, nichts weiter als ein großer Unruhestifter.
Ruft euch einfach immer wieder ins Gedächtnis: anderer Leute Krankheiten sind ihre Krankheiten. Sie müssen sie kurieren. Sie müssen ihre Arznei nehmen. Eure Krankheiten sind die euren — sie sind zuallererst eure Verantwortung. Und wenn euer Nachbar im Krankenzimmer seine Medizin nicht richtig nimmt, dann ist das sein Problem. Man kann sich als hilfreich erweisen und ihn ermutigen, aber irgendwann kommt der Punkt, wo man sagen muss: “Nun gut, es ist seine Sache. Ich muss mich um meine eigene Krankheit kümmern.” Das macht es uns allen viel leichter.
Stehen einem diese Bindungen, Begierden und dünkelhaften Vorstellungen nicht im Weg, dann wird jeder Ort, an dem man übt, zu einem idealen Ort zum Üben. Die Leute fragen oft: “Wo ist der beste Ort zum Üben?” Und die Antwort lautet: “Genau hier im Hier-und-jetzt.” Tatsächlich ist das ja der einzige Ort, an dem man üben kann. Aber man kann etwas tun, damit das Hier-und-jetzt zu einem besseren Ort für das Üben wird, wo immer man gerade ist, sowohl für einen selbst als auch für die Leute um einen herum. Es hängt nicht so sehr davon ab, dass man die äußeren Umstände ändert, sondern vielmehr davon, dass man seine inneren Einstellungen ändert. Wenn wir das tun, wird der Ort, an dem wir üben, für uns alle zu einem guten Ort zum Üben
Auf lange Sicht
(Taking The Long View)
von
Ajaan Lee Dhammadharo
(Phra Suddhidhammaransi Gambhiramedhacariya)
Aus dem Thailändischen ins Englische übersetzt von Thanissaro Bhikkhu
Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Lothar Schenk
Quelle: Access to Insight Website
Aus dem Buch “Food for Thought”
Copyright © 1995 Metta Forest Monastery
Access to Insight Ausgabe © 1995
Nur zur unentgeltlichen Verteilung.
Dieses Werk darf neu veröffentlicht, umformatiert, nachgedruckt und auf beliebigen Medien weiterverteilt werden. Nach dem Willen des Verfassers soll jedoch jede solche Neuveröffentlichung und Weiterverteilung der Öffentlichkeit auf unentgeltlicher und uneingeschränkter Grundlage zur Verfügung gestellt werden; Übersetzungen und andere Bearbeitungen dieses Werks sollen deutlich als solche kenntlich gemacht werden.
Die meisten von uns neigen dazu, sich nur mit kurzen, kleinen, eng begrenzten Dingen zu beschäftigen. Beispielsweise glauben wir, am menschlichen Leben sei nicht viel dran - geboren werden und dann sterben - also achten wir nur auf die Befriedigung unseres Magens und unserer Gelüste. Es gibt kaum jemanden, der weiter denkt, der daran denkt, was nach dem Tod kommt. In dieser Sache sind wir kurzsichtig und denken nicht daran, gute Eigenschaften und Tugend in uns zu entwickeln, weil wir die Wahrheit nicht sehen und welche wichtigen Vorteile wir einmal in der Zukunft daraus ziehen werden.
Tatsächlich sind jedermanns Angelegenheiten wirklich langwierig und keineswegs kurz. Wären sie kurz, wüssten wir alle, wo wir herkommen und wie wir da hingekommen sind, wo wir sind. Mit der Zukunft wäre es genauso: wären unsere Angelegenheiten wirklich nur eine kurze Geschichte, wüssten wir, wohin wir gehen und was wir nach dem Tod sein werden.
In Wahrheit ist es aber so, dass fast niemand diese Dinge von sich weiß. Die einzigen, die es wissen, sind diejenigen, deren Geist in guten Eigenschaften und Tugend fest verankert ist und die sich zu solcher Reinheit entwickelt haben, dass sie ein intuitives Verständnis erlangt haben, das sie in die Lage versetzt, zu sehen, wo sie hergekommen sind und wohin sie gehen. Solche Leute besitzen das innere Auge, weshalb sie fähig sind, Dinge in Vergangenheit und Zukunft zu sehen. Manchmal können sie nicht nur ihre eigenen Angelegenheiten, sondern auch die von anderen sehen. Das lässt sie die Nöte und Leiden erkennen, denen Menschen und andere in diese Welt hineingeborene Lebewesen unterworfen sind. Sie sehen den Kreislauf von Geburt, Altern, Krankheit und Tod. Sie sehen ihre früheren Leben, gute wie schlechte, und das erweckt in ihnen Betroffenheit und Ernüchterung, so dass sie dem Gedanken, noch einmal wiedergeboren zu werden, nichts mehr abgewinnen können. Folglich versuchen sie, ihre guten Eigenschaften und ihre Tugend weiter zu entwickeln, damit die Anzahl der für sie noch erforderlichen Wiedergeburten sich verringert. Stromeingetretene - diejenigen, die in den Strom zur Befreiung (Nibbana) eingetreten sind - werden beispielsweise höchstens noch sieben Mal wiedergeboren und danach niemals wieder. Einmalwiederkehrer werden in der Menschenwelt nur noch einmal wiedergeboren, und Nichtwiederkehrer werden in den Brahmawelten wiedergeboren und erlangen dort die Befreiung.
Was die Stromeingetretenen betrifft, so werden sie, obwohl sie wiedergeboren werden müssen, an sicheren Orten wiedergeboren. Sie werden nicht in Daseinsebenen wiedergeboren, auf denen Mangel herrscht, etwa bei den hungrigen Schatten, hasserfüllten Dämonen oder gewöhnlichen Tieren. Sie werden als menschliche Wesen wiedergeboren, aber als besondere menschliche Wesen, nicht so wie der Rest von uns. Was ist besonders an ihnen? Sie haben nur wenige Befleckungen im Herzen, keine dicke Schicht von Befleckungen wie bei gewöhnlichen Leuten. Sie haben ein angeborenes Gewissen und intuitives Gespür für Recht und Unrecht. Sie mögen zwar von Zeit zu Zeit etwas Böses tun, aber sie sehen den Schaden, der daraus entsteht, und verspüren dann ein Gefühl der Scham, das sie wünschen lässt, dass ihre Befleckungen sie niemals wieder zu Missetaten führen mögen.
Leute, die dem Wiedergeborenwerden nichts mehr abgewinnen können, strengen sich besonders stark an, um ihre Tugenden zu entwickeln, damit sie nicht mehr zurückkommen und wiedergeboren werden müssen. Wenn ihr die Anzahl eurer zukünftigen Wiedergeburten vermindern möchtet, dann solltet ihr unentwegt eure guten Eigenschaften und euren inneren Wert steigern. Anders gesagt, macht euer Herz rein und hell durch Großzügigkeit, tugendhaftes Verhalten und Meditation. Haltet eure Gedanken, Worte und Taten im Gleichgewicht, abgeschieden von innerem wie äußerem Bösem. Wenn man in Worten und Taten keine Laster hat, dann nennt man das abgeschieden von äußerem Bösem. Wenn der eigene Geist fest in der Vertiefung verankert und frei von hinderlichen Ablenkungen ist, dann nennt man das abgeschieden von innerem Bösem. Auf diese Weise kann man sich sowohl innen als auch außen in Frieden und Wohlergehen befinden. Wie der Buddha sagte: “Glücklich ist der in der Abgeschiedenheit Zufriedene.”
Wenn diese Art von Abgeschiedenheit sich im Geist zeigt, fließen alle Arten von wertvollen Eigenschaften ohne Unterlass herein. Das Herz erhebt sich höher und höher, bis es nach überhaupt nichts mehr verlangt. War man gewöhnt, viel zu essen, möchte man jetzt nicht mehr viel essen. War man gewöhnt, maßvoll zu essen, dann gibt es Zeiten, an denen man überhaupt nicht mehr essen möchte. War man gewöhnt, viel zu sprechen, möchte man jetzt lieber schweigen. War man gewöhnt, lange zu schlafen, möchte man nur noch wenig schlafen. Ganz gleich, wie die Lebensumstände sind, wird das Herz vollkommen glücklich sein, ohne Furcht vor irgend etwas oder irgend jemandem. So verringert man die Anzahl der eigenen künftigen Wiedergeburten.
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Solltet ihr irgendwelche Gebiete entdecken, auf denen es euch noch an innerem Wert fehlt, solltet ihr versuchen, den Mangel sogleich wett zu machen. Bleibt beständig in eurer Meditationsausübung und sorgt dafür, dass der Geist klar ist, frei von den Ablenkungen, die ihn in den Dreck ziehen würden. Dreck ist, wo Tiere leben - Schweine, Hunde, Enten, Hühner, Kühe. Für Menschen ist das kein geeigneter Aufenthaltsort. Wenn ihr wirklich ein Mensch seid, dann solltet ihr es vorziehen, an sauberen Orten zu leben, wo es keine Gefahren und Krankheitserreger gibt. Deswegen pries der Buddha die Abgeschiedenheit als Quelle des Glücklichseins. Also sucht euch nach Möglichkeit einen abgeschiedenen Ort, um im Geist zu verweilen, abgeschieden von hinderlichen Ablenkungen. Lasst euren Geist strahlen wie ein Juwel, und lasst euch nicht in Versuchung führen, das Gute, das ihr habt, für Unrat einzutauschen. Ihr solltet jederzeit achtsam sein, also erlaubt euch keine Geistesabwesenheit oder Vergesslichkeit.
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Wenn euer Geist nicht in der Gegenwart bei eurem Körper bleibt, dann wird allerlei Böses - alle Arten von Ablenkungen - hereinströmen, um ihn zu überwältigen, so dass er von seinem inneren Wert abfällt, genau so wie ein leerstehendes Haus mit Sicherheit zu einer Brutstätte für Spinnen, Termiten und sonstiges Getier werden wird. Wenn ihr euren Geist fest in der Gegenwart bei eurem Körper haltet, seid ihr in Sicherheit. Wie jemand auf einem großen Schiff inmitten einer ruhigen See ohne Wind und Wellen: wohin man auch blickt, ist alles klar und rundum offen. Man kann weit in die Ferne schauen. Die Augen sind gestillt, was Sichtbares betrifft, die Ohren gestillt, was Hörbares betrifft, und so weiter mit den übrigen Sinnen. Der Geist ist gestillt, was Gedanken der Sinnlichkeit, des Übelwollens, des Schadens betrifft. Der Geist befindet sich in Abgeschiedenheit, Ruhe und in Frieden. Das ist der Ort, an dem wir unser “Ich”- und “mein”-Vermeinen aufgeben, wo wir das entfernte Ufer erreichen, uneingeschränkt und ohne Fesseln.
“Wo dieses Nichtdenken herrscht,
sind unermeßlich
die Sinne und das Gefühl.
Weder das eigene Selbst noch ein anderes
findest du je im Reiche der soseienden Wahrheit.
Wenn du plötzlich und ohne langes Besinnen
sie passend ausdrücken müßtest,
würdest du wohl sagen:
Nicht-Zwei ist sie.
Wenn es aber keine Zwei mehr gibt,
so ist alles das Eine und Selbe.
Alles umfaßt es. Es kommen
die Weisen aus aller Welt
und huldigen ihm.
Die Eine Wahrheit kann man
weder erweitern noch einengen.
Ein Augenblick ist
wie zehntausend Jahre.
Sein und Nichtsein,
die ganze Welt, eröffnet sich
grenzenlos dem Auge.
Das Kleinste ist dem Größten gleich,
die Grenzen sind weggewischt.
Das Größte ist dem Kleinsten gleich
ohne jede Scheidewand.
Sein ist nichts anderes als Nichts,
Nichts ist nichts anderes als Sein.
Und ist es dir noch nicht so,
dann darfst du auch an nichts festhalten!
Das Eine ist nichts anderes als das All,
das All ist nichts anderes als das Eine.
Und wenn dem so ist, was schiert dich dann
noch Unvollkommenheit?
Glauben ist Nicht-Zwei.
Nicht-Zwei ist Glauben dessen,
das unaussagbar ist.
Vergangenheit und Zukunft,
sind sie nicht
ein ewiges Jetzt?
Am Tag als der Gedanke aufwachte…..
schaute er sich um und sah:
Nichts! Er konnte nichts sehen,weil es nichts gab,außer ihm selbst.
Er hörte aufmerksam in die Stille hinein und hörte:
Nichts,da es nichts gab außer ihm selbst.
Kein Wunder,daß ich bis jetzt geschlafen habe,dachte er.
Wenn es nichts gibt,außer mir selbst,dann bin ich alles,was es gibt.
Und wenn ich alles bin,kann ich auch alles sein.
Alles,was ich denken kann.
Und er beschloß,es zu probieren.
Er dachte an Raum und wurde zu Raum,er dachte an Wasser und wurde zu Wasser.
Er dachte an Licht,und wurde zu Licht,er dachte an Erde und wurde zu Erde.
Er wurde zu allem,an das er dachte.
Er,der Gedanke,war nun mehr als vorher,
und doch gab es weiterhin nichts,außer ihm selbst.
Er war alles und eines,er war all-ein.
Und er dachte an Pflanzen,die das Wasser und die Erde und das Licht fühlen konnten.
Er dachte an Tiere,die sich im Raum bewegen und im Wasser schwimmen konnten.
Er dachte an Menschen,die denken konnten wie er selbst.
Denn all das war er selbst,da es nichts anderes gab,außer Ihm dem Gedanken.
Nun konnte der Gedanke sich selbst erkennen.
Er erkannte sich im Raum,im Wasser und im Licht,
Er erkannte sich in den Pflanzen,
in den Tieren und in den Menschen,und doch war er weiterhin nur der Gedanke.
Und es gab nichts,außer ihm selbst.
Er war Ursache,und er war die Wirkung.
Er war der Schöpferund die Schöpfung in einem.
Denn alles Erdachte war der Gedanke selbst.
Und so bemerkte er,daßer nicht Gedanke,sondern Denken war.
Er war das,was er tat,er war die Tätigkeit selbst.
Er war kein jemand,und er war kein Etwas.
Er war das Erschaffen selbst.
Am Tag,an dem das Denken begann,Gedanken über sich selbst zu machen,wachte es auf.
Es wurde,als ihm einfiel,daß es da war.
Denn alles Erdachte entstand durch das Denken,und nun dachte es an sich.
Und plötzlich wußte es,daß es sich selbst erschuf.
Es erschuf sich in jedem Augenblick,immerfort und immer neu und unaufhörlich.
Ea konnte nicht aufhören,zu denken,denn es war das Denken selbst.
Und es fragte sich,wei lange dieser wunderbare Zustand wohl anhalten würde.
Als es darüber nachdachte,erkannte es,
daß kein Gedanke,jemals rückgängig zu machen war.
Jeder Gedanke,einmal gedacht,war unwiderruflich.
Es konnte denken,was es wollte,es konnte das eine denken und dann das andere,
aber niemals einmal Gedachtes zum Nichtgedachten erklären.
So war auch die Selbsterkenntnis Unumkehrbar.
Auch wenn es sich vornahm,an etwas nicht zu denken,
war es dadurch schon gedacht.
Nichts konnte dazu bestimmt sein,niemals gedacht zu werden.
Und nichts konnte gedacht werden,ohne an das Gegenteil mitzudenken.
Es hatte das Licht erdacht und mit ihm die Dunkelheit.
Es hatte die Geburt erdacht und mit ihr den Tod.
Nichts war zu trennen,nichts war teilbar,alles war eins.
Doch jetzt konnte es lachen und weinen,jubeln und trauern,
essen und trinken und schmecken und fühlen,
es konnte tanzen und singen und fliegen und schwimmen.
Das Göttliche begann,seine Existenz zu feiern,am Tag, als der Gedanke erwachte.
Kaum vergeht heute ein Tag, an dem nicht irgendwo ein Satsang stattfindet. Offensichtlich gibt es einen großen Bedarf an “spirituellen Lösungen”. Aber was ist Satsang eigentlich?
In Satsang zu sein bedeutet, in die vollkommene Stille dessen einzukehren was IST. Das heißt, unser angelerntes Wissen zu ignorieren und stattdessen der Stimme des Herzens zu folgen, Es bedeutet zu erlauben, die “Wolkendecke” des Geistes gehen zu lassen und sich dem Göttlichen zu öffnen.
Satsang ist die Begegnung in der absoluten Wahrheit unseres Seins, in der Stille. Begegnung des Selbst mit dem Selbst.
Formeller Satsang bedeutet die Einladung in Gegenwart eines erwachten Menschen anzunehmen, den denkenden Geist vollkommen anzuhalten, still zu sein und zu erfahren, was seit jeher still, gegenwärtig und unberührt war, ist und sein wird.
All das, was an Konzepten von Ich, Mein und Mir und dem damit verbundenen Leiden vorhanden ist, die Identifikation mit Vorstellungen und Wünschen sterben zu lassen, ist die Herausforderung.
Satsang eröffnet die Möglichkeit, in der klaren Begegnung mit Erfahrungen und Gefühlen still und unbewegt zu bleiben. DAS zu erkennen und sich DEM vollkommen hinzugeben, was schon immer unangetastet von allen Erfahrungen und Phänomenen ist, die Wahrheit unseres Seins. Das Selbst in Frieden.
In Satsang argumentieren, diskutieren und philosophieren wir nicht, den DAS kann mit Worten nicht erklärt, intellektuell nicht verstanden werden.
Dennoch können wir aus der Stille, der Wahrheit miteinander sprechen und erforschen, welchen Grund es gibt, nicht in Stille, Liebe und Frieden zu sein, nicht Deinen Alltag als Satsang zu erkennen und was Dich davon abhält das zu sein was Du bist - nämlich nicht die Person, die Du glaubst zu sein, nicht der Körper - einfach “nur” Sein, unendliches immerwährendes und unsterbliches Bewußtsein.
Alles was Dich davon abhält das zu erkennen was Du tatsächlich bist, ist die Illusion des Ich. Ein Konzept einer Ich-Persönlichkeit, das zur Spaltung und Trennung führt. Dieses Konzept äußert sich täglich in Form von Wünschen entsprechend der individuellen Vorstellung von Glück und Zufriedenheit. Gleichzeitig reicht es aber auch tief in den Wunsch einer spirituellen Welt, dem nach Hause kommen, Ekstase, phänomenalen Erscheinungen und außergewöhnlichen Erfahrungen,….. genannt Erleuchtung. Ein erneutes Missverständnis!
Alle diese Missverständnisse, entstanden aus dem sich ständig selbst bestätigendem “ich”, gewachsen zu einer menschlichen Konditionierung, auszuräumen, ist die Einladung im formellen Satsang.
Denn wohin dieser ganz normale Wahnsinn Dich und den größten Teil der Menschheit gebracht hat ist offensichtlich.
All das bedeutet aber nicht den Verstand zu verdammen, sondern auch ihn als wunderbares, göttliches Werkzeug zu respektieren. Ebenso erkennt er aber in sich selbst die Grenzen seiner Denk- und Verstehensmöglichkeit und ist bereit, sich dem göttlichen Mysterium des sich selbst tragen Selbst zu überlassen.
Erwachen bedeutet auch nicht alle Gefühle, oder emotionalen Erfahrungen zu ignorieren und sie durch eine scheinbare Stille zu ersetzen. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht Vermeidung, sondern fühlen, erfahren und in ganzer Tiefe erleben ist das, wie sich dann das gesamte göttliche Mysterium zeigt. In dieser vollkommenen Begegnung mit allem was IST entfaltet sich immer tiefer und tiefer DAS!