Das Leben des Buddha - Teil 1 - 6
Ganzheitliches Bewusstsein
Zwei Video-Beiträge - Satsang mit dem Weisheitslehrer Samarpan zum Thema Beziehung
Autor: Nicolas Alschibaja
WER BIN ICH? Das Advaita - Konzept
Seminar: Descartes und das Zen-buddhistische Koan ,,Die ganze Welt ist ein einziger Geist”
Dozent: Dr. Kim Lan Thai-Thi
WiSe: 2000/2001
Wer Bin Ich?
Zusammenfassung……………………………………………………………………….2
Einleitung: Die eine Wahrheit………………………………………………………..3
Wer bin ich? oder die ,,Erleuchtung”……………………………………………..4
Bewusstsein ist alles was es gibt………………………………………………….4
Befreiung……………………………………………………………………………………..6
Unsere wahre Natur………………………………………………………………………7
Der Suchende……………………………………………………………………………….8
Identifikation mit dem Körper………………………………………………………..9
Das Theaterstück genannt das Leben ist bereits geschrieben………10
Leben und Tod……………………………………………………………………………11
Nachwort……………………………………………………………………………………12
Literaturverzeichnis……………………………………………………………………13
Zusammenfassung
,,Die ganze Welt ist ein einziger Geist” (Zen-Meister Fa Yen). Das dem ganzen Universum eine Einheit zugrunde liegt, scheint der Grundkonsens der östlichen spirituellen Schulen zu sein. Das indische Advaita lehrt uns, dass es nichts außer Bewusstsein gibt. Allen Dingen des Lebens, ganz gleich wie verschiedenartig sie sein mögen, liegt die Gemeinsamkeit inne, dass sie in unserem Bewusstsein erscheinen. Im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der heutigen Zeit wird deutlich, dass Objekte nur innerhalb der Wahrnehmung existieren und außerhalb davon keine eigenständige Existenz besitzen. Das bedeutet, dass das Universum, bzw. unser ganzes Leben lediglich als eine Erscheinung innerhalb unseres Bewusssteins existiert. Das, was wir als unsere Person definieren, ist Teil der Erscheinung. Wir sind nicht die Person für die wir uns halten, sondern das Bewusstsein, das wahrnehmende Element, indem unser Leben, d.h. das ganze Universum, einschließlich unserer eigene Person, erscheint. Die tiefstmögliche Erkenntnis dieser Tatsache ist das, was mit dem Wort ,,Erleuchtung” ausgedrückt werden soll.
Schlagworte: Spiritualismus - die wahre menschliche Natur - Advaita
Einleitung: Die eine Wahrheit
Die Frage : ,,Wer bin ich” ist nach meinem Verständnis, die Kernfrage des Zen-Buddhismus, um die die ganze Philosophie kreist. Wird Zen als ein Weg praktiziert, so ist das Endziel dieses Weges das Finden der Antwort auf diese Frage, was auch die ,,Erleuchtung” genannt wird. Der Zen sieht sich also als ein Weg zu dieser Wahrheit und Wahrheit ist nicht abhängiger Bestandteil einer speziellen Philosophie sonder universal. Sie existiert also unabhängig vom Zen. Der Zen-Buddhismus ist also lediglich eine Philosophie unter mehreren, die um die Wahrheit kreist oder als Weg, ein Weg unter mehreren, der zu dieser Wahrheit hinführt.
Das Leben Zen-buddhistischer Mönche zeigt uns die Schlichtheit und Bodennähe des Zen-Weges zur Erleuchtung, welches recht wenig Platz für intellektuelle Spielereien lässt. Während hier Meditation als Weg zu der einen Wahrheit vorgesehen wird, so sieht im Gegensatz dazu die indische Advaita-Lehre das Verstehen der Wahrheit als Weg zu ihr vor, welche zunächst auf der intellektuellen Ebene stattfindet und dann in intuitives Verstehen übergeht .
Ich will mit dieser Arbeit versuchen, der Wahrheit, auf die der Zen-Buddhismus hinzielt, eine konzeptuelle Form zu geben, indem ich Konzepte der indischen Advaita-Philosophie verwende. Es soll auf konzeptioneller Ebene der Frage der wahren Natur von uns Menschen nachgegangen werden und geklärt werden, was in diesem Sinne ,,Erleuchtung” bedeutet. Dabei beziehe ich mich auf den erleuchteten indischen Advaita-Meister Ramesh S. Balsekar als den größten Repräsentanten des Advaita der heutigen Zeit.
Wer bin ich oder die Erleuchtung
Stellt man sich die Frage: ,,Wer bin ich?” so scheint sie aus der Perspektive des Alltagbewusstseins recht leicht zu beantworten sein. So könnte sich die Antwort aus Körpergröße, Körpergewicht, Körperform, Haar- und Augenfarbe u.a. und psychischen Merkmalen wie Temperament etc. zusammensetzen. Dies scheint auf den ersten Blick eine akzeptable Antwort zu sein, doch ist sie bei näherem Hinsehen höchst unvollkommen. Erstens können die angeführten Merkmale den Menschen in seiner Komplexität nie ergreifen und zweitens befinden sich alle Merkmale die man anführen kann, in einem ständigen Wandel. Physische Merkmale wie Körperform, Haar und sogar die Augenfarbe verändern sich im Alterungsprozess, in der Tat ist mittlerweile bekannt, dass sich in einem bestimmten Zeitabstand jede einzelne Körperzelle erneuert. Was die Psyche eines Menschen angeht, so gibt es auch hier kein einziges Merkmal, welches einen Menschen von seiner Geburt bis zum Tod begleitet.
Aus der Perspektive des Alltagsbewusstseins kann man auf die Frage ,,wer bin ich?” also nur mit einem Konzept antworten, welches erstens den Menschen auf einige Merkmale reduziert und zweitens, im nächsten Moment, aufgrund des ständigen Wandels, nicht mehr aktuell ist.
An diesem Punkt stellt sich die Frage ob, wenn alles was eine Person ausmacht sich in einem ständigen Wandlungsprozess befindet, es irgendeine Konstante gibt, die den Mensch von der Geburt bis zum Tod begleitet. Bei näherem Hinsehen, ist Bewusstsein die einzige Konstante, die sowohl dem neugeborenen Baby, als auch dem alten Greis innewohnt, obwohl uns Bewusstsein aufgrund der unendlichen Mannigfaltigkeit der Bewusstseinsinhalte am aller wenigsten als konstant erscheint.
Bewusstsein ist alles, was es gibt
Sowohl das neugeborene Baby als auch der alte Greis nimmt die Welt durch das Bewusstsein wahr. Bewusstsein ist das einzige Mittel, durch das wir die Welt wahrnehmen können. Tatsächlich ist Bewusstsein das, was das Leben überhaupt ausmacht. Ohne Bewusstsein gäbe es das Leben nicht, da sich das Leben durch Bewusstsein definiert, d.h. Leben ist Bewusstsein. Geht man noch einen Schritt weiter, so gibt es ohne Leben, d.h. ohne Bewusstsein gar keine Welt, da es in dem Fall niemanden gibt in dessen Bewusstsein die Welt erscheinen könnte. Wie die Erkenntnisse der heutigen Wissenschaft zeigen, sind Objekte davon abhängig, dass sie wahrgenommen werden. Die Welt wie wir sie kennen, bestehend aus Himmel und Erde, Bergen und Flüssen etc. ist also davon abhängig, dass sie in der Wahrnehmung erscheint. Verdeutlicht man sich dies, so ergibt dies ein Weltbild, welches von dem unseres Alltagbewusstseins abweicht. Geht man in seinem Alltag davon aus, dass die Welt unabhängig von uns, als feste Materie existiert und auch nach unserem Tod weiter existieren wird, so bedeutet dies, dass die Welt, so wie wir sie kennen, lediglich als eine Erscheinung in unserer Wahrnehmung existiert (und mit unserem Tod verschwindet, wobei sie in dem Bewusstsein lebendiger Wesen weiterhin existiert). Nehmen wir an, es gäbe nur ein einziges Lebewesen auf dieser Erde, so würde die gesamte Welt mit dem Tod dieses Lebewesens verschwinden, da es niemanden mehr geben würde in dessen Bewusstsein die Welt erscheinen würde. Kurz gesagt, die Welt existiert nicht außerhalb von uns sondern in uns.
Betrachtet Lebewesen X einen Stuhl und fragt sich, ob der Stuhl existiert, so lautet die Antwort gemäß unseren heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen: ja, aber nur innerhalb der Wahrnehmung. Verfolgt man diesen Gedanken weiter, so kommt man zu dem Schluss, dass nicht nur Materie sondern absolut alles aus dem das Leben besteht, wie Liebe und Hass, Freude und Schmerz etc., ausschließlich im Bewusstsein existiert. Das Leben besteht also ausschließlich aus Bewusstsein, in dem die ganze Mannigfaltigkeit ( so wie wir das Leben kennen) erscheint. Aus dieser Perspektive unterscheidet sich das Leben in keiner Weise von einem Traum. Genauso wie es in unseren Träumen alte Berge und Flüsse gibt, doch nichts des geträumten eine eigenständige Existenz besitzt, d.h. alles lediglich eine Erscheinung innerhalb des Traumes ist, so ist alles, was wir in unserem Leben wahrnehmen, lediglich eine Erscheinung innerhalb unseres Bewusstseins.
Befreiung
Als Menschen streben wir nach Glück. Wenn materielle Dinge oder gesellschaftlicher Erfolg etc. nicht mehr ausreichen, um uns zu befriedigen, begeben wir uns auf die Suche nach Höherem. Uns wird bewusst, dass es mehr geben muss, als durch die Erfüllung materieller und gesellschaftlicher Wünsche erlangt werden kann. Wir machen uns auf die Suche nach ,,Befreiung”, in manchen spirituellen Schulen auch die ,,Erleuchtung” genannt.
Hier soll nun die Frage untersucht werden, wovon Befreiung gesucht wird und was Erleuchtung bedeutet.
Es erscheint als ein allgemein angewendetes Handlungsmuster, dass man Problemen Abhilfe leistet indem man sie löst, dass man Verlangen stillt indem man sie erfüllt. Hat man Hunger, so besorgt man sich etwas zu essen , hat man den Wunsch nach einem bestimmten Auto, so beschafft man sich die Mittel (durch Geld verdienen, Schulden machen oder Diebstahl etc.) es zu erlangen. Es kann die intuitive Erkenntnis erwachsen, dass durch Befriedigung momentaner Wünsche und Verlangen kein dauerhaftes Glück erreicht werden kann. Sobald ein Verlangen gestillt ist, taucht ein anderes auf. An diesem Punkt richtet sich der Verstand nicht mehr nach außen um Verlangen zu stillen sondern nach innen, die Suche beginnt. Nicht mehr die Befriedigung eines Verlangens oder Wunsches, sondern der Wunsch selbst wird als das Problem erkannt. Der Wunsch lässt sich mit dem Ego gleichsetzten und im Einklang mit den östlichen spirituellen Schulen wird klar, dass das Ego die einzige Ursache unseren Leidens ist. Leiden ist unmittelbar mit dem Ego verbunden, da Leiden durch die Abweichung zwischen Wunsch und Realität entsteht. Ein Leben ohne Ego, d.h. ein Leben ohne Wünsche und Ablehnungen bedeutet die totale wertfreie Akzeptanz dessen, was ist, und damit Frieden und Befreiung (von den Wünschen, es anders haben zu wollen als es ist), was nichts anderes bedeutet als mit dem Wort ,,Erleuchtung” ausgedrückt werden soll.
Dennoch bleibt unser Ego weiterhin existent auch wenn wir es als den Verantwortlichen unserer Leiden identifiziert haben. Es stellt sich die Frage, wer das Leben lenken würde, wenn es kein Ego in Form von Wünschen und Abneigungen mehr geben würde.
Um dieser Frage näher zu kommen, wird das Augenmerk auf unsere wahre Natur, jenseits der Persönlichkeit gerichtet.
Unsere wahre Natur
Wenn Bewusstsein alles ist, was es gibt, d.h. alles, was wir wahrnehmen eine Erscheinung innerhalb des Bewusstseins ist, so bedeutet dies, dass das was wir als unsere Person (physisch und psychisch) definieren , ebenfalls eine Erscheinung innerhalb des Bewusstseins ist. Bildlich ausgedrückt: richten wir die Augen auf unsere Hände, so sind diese, wie der Rest unseres Körpers eine Erscheinung in unserem Bewusstsein (genauso wie alles andere, das wir im Lauf unseres Lebens wahrnehmen, einschließlich Gedanken und Emotionen). Gibt es irgendetwas außerhalb des Bewusstseins mit eigenständiger Existenz, wie z.B. das Gehirn, indem dieses Bewusstsein erscheint? Nein: Das Gehirn selbst ist ebenfalls eine Erscheinung entweder in Form eines Gedankens (wenn wir uns das Gehirn vorstellen), oder, hätten wir die Möglichkeit unser Gehirn in einem Spiegel zu betrachten, eine visuelle Erscheinung. Das heißt, unser Leben besteht aus einer einzigen Erscheinung ohne das es eine Person gibt (welche selbst ein Teil der Erscheinung ist), die diese Erscheinung wahrnimmt. Dennoch ist eine Erscheinung davon abhängig, dass sie wahrgenommen wird. Wenn wir uns fragen wer wir sind, so sagt uns Ramesh S. Balsekar, wie viele Meister es uns schon seit Jahrtausenden sagen, dass wir dieses wahrnehmende Element sind, in dem die Erscheinung, genannt das Leben, einschliesslich unserer eigenen Person, erscheint (1991, S.56).
In den östlichen Philosophien wird zwischen Samsara als die Welt der Erscheinungen und Nirvana als dem Nichts, dem Urzustand, der Einheit, unterschieden. Unsere wahre Natur ist Nirvana, ist der Urzustand, durch den wir Samsara wahrnehmen. Mit anderen Worten: wir sind dieses ,,Nichts” in dem unser Leben als eine Erscheinung wahrgenommen wird.
In der indischen Ashtavakra Gita (einem mehrere tausend Jahre altem spirituellem in Sanskrit geschriebenen Dokument) heißt es deshalb: ,,Du bist weder Erde, noch Wasser noch Feuer noch Luft noch Raum. Du bist der Beobachter dieser fünf Elemente als Bewusstsein. Dies zu verstehen ist Befreiung” (Balsekar, 1991, S.8).
Des weiteren heißt es: ,,Du bist nicht der Körper, noch ist der Körper Dein. Du bist weder der Handelnde noch der Erfahrende. Du bist das Bewusstsein selbst, der Ewige, unpersönliche Beobachter” (Balsekar, 1991, S.92)
Der Suchende
Als Suchende versuchen wir uns von Samsara zu befreien und zu Nirvana zu gelangen. Dabei vergessen wir, dass wir Nirvana bereits sind und uns Samsara, die Welt der Erscheinungen nur davon abhält, uns selbst als Nirwana wahrzunehmen. Bei der Suche geht es also nicht darum, Nirvana zu finden, sondern eher darum, Samsara zu durchschauen, um automatisch unseren natürlichen Zustand als Nirvana wahrzunehmen und zu sein. Ramesh Balsekar (1999) sagt uns, dass mit der Erleuchtung, das Leben und vor allem die Suche, als ein riesiger Witz erfahren wird, da wir das, was wir suchen, bereits sind und wir unter Problemen und Schmerzen leiden, die, wie das gesamte Leben von illusorischer Natur sind. Tatsächlich, sei es unser Streben, welches uns daran hindert, unsere wahre Natur zu sehen und zu sein.
Dies ist folgerichtig wenn man bedenkt, dass ein Streben nach Erleuchtung, genauso wie ein Streben nach Geld, Macht oder Ruhm etc. vom Ego gesteuert ist, d.h. der Wunsch nach Erleuchtung, unser wahres Sein überlagert. Darum sagt Ramesh Balsekar (1996): ,,Die Suche beginnt mit dem Ego und endet mit der totalen Auflösung des Egos”.
Mit der endgültigen Auflösung des Egos verschwinden alle Wünsche, einschliesslich des Wunsches nach Erleuchtung und man verweilt automatisch in seinem natürlichen Zustand.
Identifikation mit dem Körper
Wodurch entsteht das Ego? Ramesh Balsekar (1991) gibt folgendes Konzept: Vor der phänomenalen Manifestation existiert nur Bewusstsein in Ruhe. Dieses Bewusstsein in Ruhe aktiviert sich und in Form eines Urknalls entsteht plötzlich die phänomenale Manifestation. Dies ist vergleichbar mit dem plötzlichen Erscheinen eines Traums während des Schlafens. Die Entstehung der Phänomenalität bedeutet, dass aus der Einheit sich die Vielfalt manifestiert, welche sich durch Polaritäten ausdrückt (hell-dunkel, oben-unten, hinten-vorne etc.). Damit die Phänomenalität (unser Universum) wahrgenommen werden kann, bedarf es Lebewesen. So erscheint ein Universum und viele Lebewesen als Instrumente (in Form von Menschen und Tieren), durch die dieses Universum wahrgenommen wird. Dieses Universum ist jedoch lediglich eine Erscheinung im Bewusstsein ohne eigene Existenz und die Lebewesen, durch welche diese Erscheinung wahrngenommen wird, sind ein Teil dieser Erscheinung. Dieses wahrnehmende Element, in welchem das Universum einschliesslich der vielen Lebewesen erscheint, ist Bewusstsein in Ruhe, das ,,Nichts”, das Noumen, Nirvana. Letztendlich gibt es nur die Erscheinung der Phänomenalität (als Bewusstsein in Bewegung) und das Noumen, das ,,Nichts”, als reine Subjektivität, welches diese Erscheinung wahrnimmt. Wir sind nicht die Personen, für die wir uns halten (welche selbst ein Teil dieser Erscheinung ist) sondern dieses ,,Nichts”, das Noumen, das Bewusstsein, in welchem unser Leben erscheint.
Darum heißt es in der Ashtavakra Gita: ,,Du bist es, der das gesamte Universum durchdringt, und dieses Universum existiert in Dir. Deine wahre Natur ist das reine Bewusstsein. Sei nicht kleinmütig” (Balsekar, 1991, S.23).
Das Ego entsteht durch die fälschliche Identifikation mit dem Körper als eine getrennte Einheit. Anstatt sich dessen bewusst zu sein, dass alles, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist, einschließlich der Gedanken und Gefühle eine Erscheinung in uns als noumenales Bewusstsein ist, betrachten wir das Universum als etwas real exsistierendes mit eigener unabhängiger Existenz und uns selbst als Person in diesem real existierenden Universum als eine davon getrennte Einheit. In dem Sucher mag die Erkenntnis erwachen, dass die phänomenale Außenwelt lediglich eine Illusion ist. Erleuchtung bedeutet die tiefstmögliche Erkenntnis, dass die eigene Person ein Teil dieser Illusion ist, d.h. das absolut alles, was man mit den Sinnen wahrnimmt, einschließlich Gedanken und Gefühle eine Erscheinung im Bewusstsein ist.
Das Theaterstück genannt das Leben ist bereits geschrieben
Jeder Mensch hat bestimmte individuelle Charaktermerkmale, nach denen er seine Entscheidungen trifft. Diese Merkmale setzen sich, wie die Wissenschaft zeigt, zum einen aus den Erbanlagen, zum anderen aus der Konditionierung, d.h. der Prägung durch Erfahrung, zusammen.
Der Mensch kann nicht anders , als nach seiner Struktur zu agieren. Diese Struktur beinhaltet nicht nur wesentliche Entscheidungen wie z.B. die Berufswahl, sondern ebenfalls die kleinsten und unspektakulärsten Handlungen, wie das heben der rechten Hand. Wie die heutigen Hirnforschung zeigt, so der Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung Wolf Singer (2000): ,, Das, was wir als freie Entscheidung erfahren, ist nichts als eine nachträgliche Begründung von Zustandsveränderungen, die ohnehin erfolgt wären”. Mit anderen Worten, wir bekommen erst nachdem wir eine Bewegung ausgeführt oder eine Entscheidung gefällt haben, das illusorische Gefühl, uns für diese Bewegung oder Entscheidung entschlossen zu haben. Insofern ist der freie Wille eine Illusion. Jeder Mensch kann nicht anders als auf äußere Umstände gemäß seiner individuellen Struktur zu reagieren. Dasselbe geschieht selbstverständlich bei Tieren und Pflanzen und allen anderen Bestandteilen unseres Lebens. Alles ist in einer ständigen Bewegung und diese Bewegung geschieht nach den kausalen Gesetzmäßigkeiten der den Dingen innewohnenden Natur. Folglich ist mit der Erschaffung des Universums, ihr Verlauf, d.h. jegliches Geschehen, bis ins kleinste Detail vorprogrammiert. Wir als Menschen sind mit unserem Verstand ein Teil des Programms.
Was hat diese wissenschaftlich erwiesene Erkenntnis für eine Konsequenz auf unser Leben? Die Erkenntnis könnte zu einer Lebensführung führen, auf welche die alten Meister schon seit etlichen Zeiten hindeuten. Wenn das Leben ein Film ist, dessen Ende schon jetzt programmiert ist und immer schon programmiert war, wenn wir als Menschen lediglich nach unserer Struktur agieren und immer agieren werden (wobei sich die Struktur, durch laufend neue Erfahrungen, in einem ewigen Wandlungsprozess befindet), bedeutet das, dass wir den Platz unserer wahren Existenz einnehmen dürfen, um als das beobachtende Element wertfrei unser Leben zu bezeugen.
Leben und Tod
Aus der Sicht der alten Meister und aus dem logischen Denken bezüglich der Konsequenzen wissenschaftlich bewiesener Erkenntnisse, gibt es keinen Grund das Ende des Lebens zu bedauern. Wenn das Leben eine Erscheinung ist und wir das beobachtende Element sind, welche die Erscheinung wahrnimmt (nicht die Person für die wir uns gehalten haben, welche lediglich ein Teil der Erscheinung ist), so bedeutet der Tod einfach das Ende der Erscheinung. Raum und Zeit, als die fundamentale Basis der Phänomenalität, verschwinden mit dem Tod. Wir als das Noumen existieren außerhalb von Raum und Zeit und sind somit unsterblich.
Das tiefstmögliche Erkennen dieser Tatsache, welches weit über intellektuelles Verstehen hinausgeht, bedeutet das, was mit dem Wort ,,Erleuchtung” ausgedrückt werden soll.
Nachwort
Bis zu diesem Punkt, an dem sich alle Schleier unserer Konditionierung auflösen und wir das Leben intuitiv als das wahrnehmen, was es wirklich ist, gibt es für uns, als das beobachtende Element, absolut nichts zu tun
Literaturverzeichnis:
Balsekar, R. (1991). Duett der Einheit. Bielefeld: Context Verlag.
Basekar, R. (1997). Your Head In The Tiger`s Mouth. Mumbai: Zen Publications.
Balsekar, R. (1999). Who Cares?!. Mumbai: Zen Publications.
Tzu, C. (1964). Chuang Tzu: Basic Writings. Mumbai: Columbia University Press.
Tzu, R. (1990). No Way. Redondo Beach, California: Advaita Press.
Wu Wei, W. (1999). Die Einfache Erkenntnis. Freiburg: Alf Lüchow-Verlag.
Fasziniert - angezogen und abgestossen - beobachten viele, was in den gentechnologischen Laboratorien vor sich geht. Die Berücksichtigung ethischer Traditionen, die im «Abendland» nicht zum Mainstream gehören, kann den Blick schärfen.
Manche suchen angesichts der Aussicht auf geklonte Menschen Halt in den «religiösen Intuitionen» der über lange Zeit stiefmütterlich behandelten christlichen Tradition. Vielleicht darf diese Tendenz als Berechtigung dafür dienen, auch die «Intuitionen» anderer Traditionen ins Spiel zu bringen, wie zum Beispiel die buddhistische. Ethische Diskurse in anderen Kulturen können zum hermeneutischen Schlüssel zu den verborgenen Dimensionen der eigenen Tradition werden. Nehmen wir als Beispiel dafür die von dem amerikanischen Japanologen William LaFleur untersuchte Diskussion zur Organspende.
Im Westen konnte die Praxis der Organspende an ein europäisch-christliches Grundethos anknüpfen, so dass nach anfänglichen Widerständen die Idee selbst mehrheitlich kaum mehr in Frage gestellt wurde. Vor allem ist es gelebte Nächstenliebe, wenn jemand zum Überleben eines anderen ein eigenes Organ spendet. Im buddhistischen Kontext Japans ist eine solche Haltung befremdlich, denn Liebe wird als ein Gefühl verstanden, welches prinzipiell nicht im Widerspruch zur natürlichen Ordnung stehen kann. Eine Liebe, welche die sakrosankte Folge von Leben und Sterben ausser Kraft setzen wollte, kann nicht Liebe sein. Doch nicht nur die freiwillige Organspende, sondern auch die Organentnahme bei «lebendigen Toten» kann nach den ethischen Erwägungen breiter buddhistischer Kreise nicht akzeptiert werden. Denn es ist für sie unbedingt vonnöten, dass auf die Feststellung des Todes die Rituale der Bestattung des Körpers folgen. Die künstliche Lebendighaltung von «Hirntoten» verletzt somit elementare Pflichten dem Verstorbenen gegenüber.
Wie LaFleur zeigte, wird in Japan die Diskussion zur Transplantation sogar von einem Begriff «belebt», dessen Anwendung in Europa geradezu schockiert: dem des Kannibalismus. In der Tat ist dessen basale Definition, sich vom Fleisch von seinesgleichen zu nähren, bei der Organtransplantation erfüllt. Nur ist es kein Akt des «Verzehrens» im wörtlichen Sinne. Warum ist im Westen der Gedanke, dass hier ein Fall von Kannibalismus vorliegen könnte, bisher kaum geäussert worden? Ist der Körper des Menschen tatsächlich so sehr zur Maschine geworden, dass eine dem «Hirntoten» zugeschriebene «Beseelung» heute geradezu als religiöser Fundamentalismus empfunden wird? Oder liegt die Abwehr des kannibalischen Momentes der Organtransplantation vielmehr darin, dass die kulturelle Prägung durch die christliche Abendmahlsvorstellung Gedanken ausschliesst, bei der Organtransplantation handle es sich um einen kannibalischen Akt?
Wie tiefgreifend kulturelle Überzeugungen verankert sind, lässt sich besonders an der Aussicht auf den geklonten Menschen, einem wohl nicht mehr lange nur hypothetischen Beispiel, verdeutlichen. Die deutschen Buddhisten haben sich zwar prinzipiell gegen das Klonen des Menschen ausgesprochen. In der «Erklärung der Deutschen Buddhistischen Union zur Genforschung und Biotechnologie» (vom 29. 4. 01) werden «alle Bestrebungen» verurteilt, «den Menschen durch Massnahmen . . . der genetischen Selektion, des reproduktiven Klonens oder der Keimbahntherapie biotechnisch optimieren» zu wollen. Als Gründe werden die notwendige Unvollkommenheit des Menschen, seine Begrenztheit und die darin liegende Würde, das Prinzip des «Nicht- Verletzens» (Sanskrit: ahimsâ) und das Illusionäre des Versuchs, auf künstlichem Wege einen «Übermenschen» zu schaffen, genannt. Das klingt nach vertrauten Argumenten. Nicht von ungefähr baut diese Erklärung stärker auf den europäischen Humanismus als auf die traditionellen Argumente der buddhistischen Ethik. Sind Buddhisten in unseren Breiten zunächst Europäer und dann erst Buddhisten?
Wiedergeburten
Nehmen wir nur ein Beispiel aus der Erklärung: die Einsicht des Menschen in seine Begrenztheit und Unvollkommenheit. Traditionell ist die Vollkommenheit dem Menschen im europäischen, griechisch-christlichen Kontext versagt. Es ist entweder Hybris, die Grenzen des Menschseins zu überschreiten, oder Sünde. Denn immer gibt es etwas, das den Menschen als Gattung begrenzt: Nach oben hin begrenzt ihn Gott und nach unten die Tierwelt. Nicht so im Buddhismus. Der Mensch ist die beste Wiedergeburt, denn von «hier» aus kann jeder «vollkommen», nämlich ein Buddha werden. Der jetzige 14. Dalai Lama steht dem Klonen deutlich weniger kritisch gegenüber als die deutschen Buddhisten. Zu dem ihm geschilderten Szenario, es könnten auf diesem Wege vielleicht Wesen entstehen, die alle unsere guten, aber keine unserer schlechten Eigenschaften hätten, antwortete er, dass eine solche technologische Entwicklung zu begrüssen sei, da sie den «Prozess der Wiedergeburt und Befreiung» vereinfachen könnte.
Zwar muss diese Bemerkung, angesichts der Inaussichtstellung eines «besseren» Menschen, die ihm der Fragende suggerierte, mit Vorsicht behandelt werden. Doch kommt in dem Statement des Dalai Lama die grundsätzliche und traditionsübergreifende Haltung asiatischer Buddhisten zum Klonen klar zum Ausdruck. Der thailändische Buddhist und Bioethiker Pinit Ratanakul sieht ebenfalls keinen Anlass, das Klonen des Menschen zu verbieten: «Wenn diese neue Technik das Bedürfnis kinderloser Paare befriedigen kann und es für alle Beteiligten weder Schmerz noch Leid, noch die Zerstörung von Leben impliziert», so der Gelehrte, «wird der Buddhismus keine Schwierigkeiten haben, das Klonen des Menschen zu akzeptieren.» Zu dieser Ansicht kommt auch Courtney S. Campbell, der im Rahmen des amerikanischen Regierungsreports zum Klonen des Menschen (1997) die Haltung der Buddhisten untersuchte.
Welche anthropologischen Konzepte des Buddhismus erlauben eine solche liberale Haltung zum Klonen? Steht zu vermuten, dass, wie zahlreiche Physiker und Biologen bekunden, der Buddhismus mit seiner praktikablen und weitgehend rationalen Sichtweise eine viel «bessere» Synthese mit den neuen Technologien einzugehen verspricht als etwa die westlichen Religionen?
Bewusstsein, Leiden
Wie stellen sich die Buddhisten, abgesehen davon, dass sie im Prinzip keine Einwände haben, konkret zum therapeutischen und reproduktiven Klonen des Menschen? Ganz zentral für alle buddhistischen Schulen ist der Gedanke, dass sich der Mensch durch keine wie auch immer geartete gefestigte Persönlichkeit auszeichnet, sondern nur durch eine Vielzahl vergänglicher Momente. Die Person ist «leer»; sie hat weder eine Seele noch einen konstanten, individuellen geistigen Kern. Schon Buddha riet, man solle sich auch nicht mit seinem Leib, seinen Gefühlen oder seinem «Ich- Bewusstsein» identifizieren: «Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich» - so möge sich der Mensch selbst betrachten, wenn er dem Leid, das jeder Identifikation mit Vergänglichem folgt, entgehen will.
Habermas hat kürzlich als Einwand gegen grössere gentechnische Eingriffe vorgetragen, dass der manipulierte Mensch, der als Heranwachsender von seiner genetischen Fremdbestimmung erfährt, die Möglichkeit verliere, seine eigene Bildungsgeschichte selbstkritisch anzueignen. Das kann aus buddhistischer Perspektive nur als eine unheilvolle Identifikation, ein «Anhaften» am vermeintlich «Eigenen» bezeichnet werden. Es scheint, als sei das Leiden an der genetischen Fremdbestimmung ein spezifisch europäisches Leiden. Es ist nicht die tatsächliche Beeinträchtigung der Freiheit, sondern vielmehr der Gedanke, nicht frei gewesen zu sein, der bei diesem Argument eine Rolle spielt. Dem genetisch Manipulierten könnte ja etwa vorenthalten werden, dass er manipuliert wurde. Vermutlich würde ihm oder ihr dann kein Problem aus der Herkunft erwachsen. - Alles Leiden entspringt dem Bewusstsein.
Selbst einem klonierten Menschen stehen alle entscheidenden Möglichkeiten offen, denn das Leben des Geistes ist ja keineswegs vollständig genetisch determiniert. Vor allem kann der Klonierte aus buddhistischer Sicht den Heilsweg beschreiten. Keine Frage: Auch ein Klon kann Buddha werden.
Wird die buddhistische Tradition also in den Ländern, in denen sie massgeblich kulturprägend vertreten ist, den Weg für eine schrankenlose Nutzung menschlicher Embryonen öffnen?
Entscheidend für die buddhistische Ethik, die weniger auf das «Opfer» als vielmehr auf den «Täter» sieht, ist, ob mit Worten, Handlungen oder auch in Gedanken absichtlich auf die Verletzung von Lebewesen gezielt wird. Werden aber durch das Klonen oder die Forschung, die das Klonen ermöglicht, Lebewesen verletzt oder gar getötet? Ein Lebewesen ist im buddhistischen Verständnis alles, was selbständige Lebenskraft bzw. -fähigkeit besitzt. Beim Klonen «überleben» zwar die erfolgreich geklonten Embryonen, aber auf Kosten zahlloser Fehlversuche. Im Falle von «Dolly» sollen es über 270 gewesen sein: aus buddhistischer Sicht eine unerhörte Inkaufnahme von getötetem Leben. Die Befürchtung einer grenzenlos permissiven Haltung der Buddhisten zum Klonen des Menschen muss also nicht geteilt werden, obwohl die charakteristischen Widerstände derer fehlen, die hierzulande mit dem Heraufziehen geklonter Abendländer auch den Untergang derselben besiegelt sehen möchten. Viele Buddhisten werden eine Technik, deren Anwendung die Tötung von lebensfähigem Leben im grossen Stil in Kauf nimmt, für die Anhäufung von schlechtem Karma verantwortlich machen, das zu einer niedrigeren Wiedergeburt führt. Wer weiss - vielleicht gar zur Wiedergeburt in einer Petrischale?
Jens Schlieter
Der Autor arbeitet an einem Forschungsvorhaben zur buddhistischen Bioethik an der Humboldt-Universität.
Madhukar: „Wer bin ich?“
Madhukar, gebürtiger Stuttgarter, moderner Repräsentant des Advaita, der Weisheitslehre vom Wesen der Wirklichkeit, ist ein Schüler des verstorbenen indischen Meisters Papaji (H.W.L. Poonja), dessen Guru der legendäre Weise Sri Ramana Maharshi war. Madhukar versteht sich als Diener der Wahrheit, seinen Namen „Geliebter, süß wie Honig“ gab ihm sein Meister Papaji. Die Botschaft vom Erwachen in Freiheit teilt Madhukar mit Wahrheitssuchenden auf der ganzen Welt in öffentlichen Meetings (Satsang) und Retreats.
Meetings mit Madhukar konzentrieren sich auf das unmittelbare Erwachen. Sie sind eine machtvolle, radikale und liebevolle Übertragung der Wahrheit, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt.
Sie sind eingeladen, Ihre Aufmerksamkeit von Ihrer Person, Ihrer Geschichte, Ihren emotionalen und gedanklichen Strukturen abzuwenden und auf Ihr wahres Sein zu
richten. Wären Sie nur Ihre Gefühle und Gedanken, dann wäre das nicht möglich. Aber Sie sind weder die Emotionen noch die Gedanken, und auch nicht die Sinneswahrnehmungen! All das findet in Ihnen statt, aber seit jeher identifizieren Sie sich damit. Durch diese Ausrichtung offenbart sich Ihr wahres Selbst nicht, ist scheinbar verborgen wie Ihre eigenen Augen, die Sie nur mit Hilfe eines Spiegel sehen können.
Glücklicherweise ist der Meister da, um Ihnen zu sagen: „Sie sind bereits frei, schauen Sie nur genau hin!“
Sie haben sich lange genug mit Ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt, und es hat Sie anscheinend nicht völlig glücklich gemacht. Schenken Sie jetzt Ihre Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit dem Selbst, das alles sieht! Wenn Gedanken kommen, fragen Sie sich: „Wer bin ich?“. Sie sehen die Gedanken erscheinen und wieder davonziehen. Wenn Sie wissen, dass Ihnen die Gedanken keine Erfüllung bringen können, dann bleiben Sie gerne bei sich selbst. Probieren Sie es einmal aus. Für den Beginn verwenden Sie dafür fünf Minuten beim Aufwachen und fünf Minuten beim Schlafengehen. Bleiben Sie ruhig und stellen Sie sich die Frage: „Wer bin ich?“. Es werden Ihnen vielleicht viele Dinge in den Sinn kommen, aber bleiben Sie frei davon, kehren Sie immer wieder zu der Selbstergründung durch die Frage: „Wer bin ich?“ zurück. Fünf Minuten am Abend, fünf Minuten am Morgen! Ihnen bleiben dann noch immer 23 Stunden und 50 Minuten für das Alltägliche und das Besondere.
Was mich erstaunt: Die meisten haben nicht einmal diese zehn Minuten pro Tag für sich Zeit. Ich rate es ihnen und sehe dann später, dass sie es nicht angewandt haben. Dabei meditieren heutzutage selbst Manager! Die wollen mental fit sein, weil ihr Job das von ihnen erfordert. Die überwältigende Menge an Informationen, die auf sie einstürzen, zwingt sie leer zu sein, um aus dem Jetzt heraus die nötigen Entscheidungen zu treffen, denn auf die herkömmlichen Marktgesetze können sie sich nicht mehr verlassen.
Die Selbstergr ü ndung durch die Frage: „Wer bin ich?“ ist die ultimative Medizin. Aber diese kostbare Medizin wird von den Menschen meistens sehr schnell wieder abgesetzt, weil sie dadurch sehen müssen, was Wahrheit verhindert. Selbstergr ü ndung ist sehr radikal, ja sehr konfrontierend! Ein Arzt verschreibt eine Medizin, erläutert den Grund dafür, die Patienten nehmen ein paar Mal die bitteren Tropfen und sagen dann: „Uh, das wollte ich aber dann doch nicht!“ Menschen haben die Neigung, über ihre Person nachzudenken, darüber, wie sie sind, aber darum geht es bei Selbsterkenntnis nicht. Die Person führt nur in die Irre, ist nur Schein, nur Schall und Rauch. Es geht um DAS, hinter diesem „Ich“; es geht um DAS, worin dieses „Ich“ Platz findet, worin Ihr Körper Platz findet; es geht um das immerwährende, ewige DAS, worin alles erscheint. Darauf seine Aufmerksamkeit zu lenken wirkt erschütternd f ü r das alte Selbstbild des Ich. Sollte Angst auftauchen, ist das nicht ungewöhnlich, da Freiheit ungewohnt ist. Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“. Angst ist ihm bekannt. Sie können sie sich anschauen, aber lassen Sie sich von ihr nicht beeindrucken. Schauen Sie ruhig hin. Fragen Sie sich jedoch unbedingt weiter, wer Sie sind, der schaut. Die Angst kam, sie wird gehen. Alles, was kommt, wird gehen. Möglicherweise zeigt sich auch Schmerz oder Trauer. Das sind alte Strukturen, die für lange Zeit in der Tiefe gelagert waren und die nach außen kommen müssen. Alle Verletzungen, die Sie durchlitten haben, müssen an die Oberfläche kommen. Registrieren Sie sie, das genügt. Sie brauchen ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit zu schenken, ein paar Minuten ist schon genug.
Es kann sein, dass Sie das Gefühl haben, den Schmerz nicht verkraften zu können: Sie werden so tief in den Schmerz hineingezogen, dass Sie sich ganz in ihm verlieren . Das liegt möglicherweise daran, dass Sie Ihre Medizin nicht konsequent angewandt haben. Konzentrieren Sie sich, sobald Ihnen das bewusst wird, wieder auf Ihre Medizin: „Wer fühlt den Schmerz? Wer bin ich? Wer sieht das?“ Geben Sie dem Schmerz etwas Zeit, der Schmerz hat auch ein Recht hier zu sein. Genießen Sie ihn für eine gewisse Zeit, er ist ein intensives Gefühl, und dann schauen Sie wieder genau hin: „Wer? Wer bin ich – hier?“ – mit dem Resultat: „Also Schmerz, es tut mir leid für dich, ich bin DAS!“. Schmerz kann uns manchmal dienlich sein, ohne ihn hätten wir uns schon verloren im Unsinn der Programmierungen, im Unsinn der Welt. Aber jetzt sagen Sie sich: „Ich will frei sein, glücklich sein. Ich will genießen, den Körper, den Geist, das Sein. Freiheit, jetzt! Ich will einfach sein!“
Um sich selbst zu ergründen durch die Frage: „Wer bin ich?“, müssen Sie sich nicht von Ihrem Körper abwenden. Der Körper ist ein Geschenk Gottes, der Ihnen dient. Der Körper lebt in der geistigen Dualität von gut und schlecht, von gesund und krank, von sich gut fühlen und leiden. In der Zeitspanne, die Ihnen vergönnt ist, in Ihrem Körper zu sein, haben Sie die Möglichkeit zu ergründen, wer Sie wirklich sind. Der Körper dient uns und hat seine eigenen Gesetze, die wir respektieren sollten. Bei Hunger essen wir, führen damit dem Körper Energie zu, erhalten seine Lebenskraft, Verdauung findet statt, etc., alles ganz natürlich. Genießen Sie Ihren Körper, hegen und pflegen Sie ihn – und nützen Sie die Zeit herauszufinden, wer Sie wirklich sind. Meditation und alle anderen Formen der Übung sind indirekte Mittel zur Selbsterkenntnis. Wohl hilfreich bei der Beruhigung des Geistes, sind sie aber in Bezug auf Erwachen ein unnötiger Umweg. Ergründen Sie besser direkt, auf dem kürzesten Weg.
Solange wir nach außen schauen, unsere Person, die Ereignisse unseres Lebens, unsere Gemütszustände betrachten, ist es immer nur ein Schein, den wir wahrnehmen, ein blasser Schimmer von dieser Quelle, die wir wirklich sind. Wenden Sie sich deshalb ab von jeglichem Phänomen, sei es auch noch so schön. Völlig unabhängig von allen Erscheinungen wenden Sie sich der Quelle zu. Durch die Frage: „Wer?“ richten Sie sich automatisch darauf aus. Jegliches Konzept fällt dann ganz von selbst weg, genau wie alle Ideen über Ihre Person, Ihre Vergangenheit und Zukunft. Missbrauchen Sie nicht aufkommendes Mitleid, um wegzulaufen vor sich selbst. Mitgefühl kann sich aus Ihrem guten Herzen heraus entwickeln. Das ist nicht falsch, das ist gut so. Wenn Sie aber ernstlich daran interessiert sind, hinter jeglichem Schein und Zweifel herauszufinden, was Wirklichkeit ist, wer Sie wirklich sind, dann offenbart sich ein ganz anderer, sehr klarer Geschmack, eine Tiefe des Friedens, grenzenloses Bewusstsein.
Radikalität ist gefragt. Es mag die Radikalität des Herzens sein oder die einer ganz einfachen Ehrlichkeit oder die eines sehr scharfen Geistes. Sie ist notwendig, wenn Sie Freiheit ergründen wollen. Selbstergründung ist sehr radikal. Ich weiß, dass das für viele unerfreulich ist, denn wir Menschen rühren viel lieber in unserer Vergangenheit, in unseren Problemen, Wünschen, Illusionen und in dem ganzen dualistischen Feld von: „Das mag ich an mir, das mag ich nicht an mir.“ Aber darum geht es nicht. So wie Sie sind, sind Sie gut; gut genug um zu erschauen, wer Sie wirklich sind. Wenn Sie frei sein wollen, ist es Zeitverschwendung, etwas an Ihrer Person zu verändern. Ihre Seinsquelle ist unveränderlich, war immer, wird immer sein, da gibt es nichts zu verbessern.
Jetzt, durch dieses Hinterfragen, zeigt sich Ihr Selbst als glückliches Nichts. Vielleicht stellen Sie sich ein Stück Schweizer Käse vor: Käse mit Löchern. Zuerst sind einzelne Löcher da, dann wird der Käse durch die Selbsterforschung immer löchriger, letztendlich – nichts.
Die Frage: „Wer bin ich?“ sollte nicht wie ein Mantra oder wie ein Gebet mechanisch hergesagt werden. Atma Vichara, wie Selbstergr ü ndung in Sanskrit heißt, sollte nicht benutzt werden, um Gedanken zu überdecken. Das ist nicht sinnvoll. Dann entsteht ein der Trance ähnlicher Zustand, der nur Schein ist. Das wäre nicht Wahrheit. Das Verlangen nach Freiheit, ein brennendes Interesse sollte vorhanden sein. Der Guru klärt alles Weitere.
Wird aus tiefem Interesse ergründet, dann glätten sich die Wogen des Geistes, Stille offenbart sich. Es gilt also nicht, ein neues Konzept von Frieden anzunehmen. Denn das würde Sie nur belasten und wäre zu nichts nütze. Sie hinterfragen immer weiter, wer Sie wirklich sind. Sie sind ehrlich dabei und hören damit auch nicht auf, wenn einmal für kurze Zeit alle Zweifel des Geistes verschwunden sind, denn das ist meist noch nicht Stille. Lassen Sie sich noch tiefer hineinfallen! Wenn man das Sein mit einem See vergleicht, dann ist Selbstergründung der Steg, der in den See führt. Gehen Sie den Steg bis zum äußersten Rand und dann lassen Sie sich in den See hineinplumpsen. Die meisten Leute bringen erst einmal ihre Freunde mit, umarmen sich vierundzwanzig Mal, dann blasen sie einen Schwimmreifen auf, halten die Rettungsweste bereit, auch den Taucheranzug, denn es könnte ja kalt sein, Tauchermaske, Schnorchel, Sauerstoffflasche, Flossen. Und ein Rettungshubschrauber wird sicherheitshalber gerufen…
Der See der Stille, ja der Ozean ist hier jetzt . „Wer bin ich?“ ist der Steg – dann alles ausziehen, alles loslassen und – hinein!